
06.08.2010
USA: Arbeitsmarkt- und Immobilenkrise geht weiter
Mit Gewinnen ist der deutsche Aktienmarkt heute gestartet, mit Verlusten verabschiedete sich der DAX in das Wochenende. Auslöser war der mit Spannung erwartete Bericht zum amerikanischen Arbeitsmarkt, der weit hinter den Erwartungen des Marktes zurückblieb. Es gibt an der Börse immer noch einige Träumer, die hoffen, dass aus dem Nichts einige Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Diese Träumer wurden heute wieder unsanft aufgeweckt. Kurz nach Bekanntgabe der Zahlen sackte der DAX um fast 100 Punkte ab und fing sich erst wieder bei 6.260 Punkten. Zum Handelsschluss notiert der deutsche Leitindex rund 1,2% schwächer. Es zeigt sich, dass die Wirtschaftskrise noch nicht überwunden ist, was sich auch in den Zahlen und dem Ausblick des US-Hypothekenanbieters Fannie Mae widerspiegelt.
Fannie Mae braucht weitere Milliarden
Fannie Mae ist im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise faktisch verstaatlicht worden und brauchte seitdem mehr als 80 Mrd. Dollar Staatshilfe, um nicht in die Insolvenz zu rutschen. Die Zahlen für das zweite Quartal signalisieren zwar eine leichte Verbesserung des Geschäfts, aber noch lange keine Stabilisierung.
Unter dem Strich brauchte Fannie Mae im zweiten Quartal weitere 1,22 Mrd. Dollar an Finanzhilfen. Damit steigt die Staathilfe für die beiden Hypothekenanbieter Fannie Mae und Freddi Mac jetzt auf insgesamt 146 Mrd. USD. Diese Summe zeigt, dass der amerikanische Häusermarkt auch gut 3 Jahre nach seinem Zusammenbruch noch sehr fragil ist.
Stabilisierung 2011 – Erholung irgendwann später
Das wird insbesondere beim Ausblick von Fannie Mae deutlich. Für die weitere Entwicklung geht das Management von einer leichten Abkühlung der Immobilienpreise im 2. Halbjahr 2010 aus. Eine „Abkühlung“ mitten in der Eiszeit – keine schönen Aussichten. Oder deutlicher: Fannie Mae wird weiterhin Finanzspritzen brauchen, da sich die Situation am ohnehin schon schwachen Immobilienmarkt im Moment wieder zuspitzt.
Der Hypothekenanbieter geht zwar aufgrund der Fortschritte mittelfristig von einer Stabilisierung aus, wann es aber soweit ist, scheint ungewiss. Die Prognose lautet bei Fannie Mae: Im Laufe des Jahres 2011. Das bedeutet im Klartext, dass die Verlust-Risiken noch bis Mitte nächsten Jahres hoch bleiben. Erst dann ist mit einer Stabilisierung zu rechnen - bis die Erholung einsetzt, kann es noch mal so lange dauern.
Arbeitsmarkt könnte Schlüssel zur Stabilisierung sein
Im zweiten Quartal musste Fannie Mae wieder im großen Stil faule Kredite abschreiben. Viele Amerikaner, die im Verlauf der jüngsten Krise ihre Arbeitsstelle verloren haben, sind nicht mehr in der Lage, die Raten zu bezahlen.
Wenn es den Amerikanern gelingt, den überschuldeten Haushalten möglichst schnell einen neuen Arbeitsplatz zu verschaffen und die Kredit-Raten wieder bezahlt werden, können weitere Abschreibungen vermieden und der Druck auf die Immobilienpreise gesenkt werden.
Nach den heutigen Arbeitsmarkt-Zahlen spricht aber einiges für eine Fortsetzung der Krise. Amerika ist zwar sehr flexibel und hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass es in der Lage ist, Krisen zu meistern - diesmal könnte es aber länger dauern.

