
27.07.2010
US-Konjunktur: Bremst Sie die Aktienmärkte?
Heute ist die Serie der DAX-Gewinne gerissen. Es muss kaum erwähnt werden: Auslöser für die leichten Kursabschläge waren natürlich wieder schwache Konjunkturdaten aus den USA. Am Nachmittag wurde gemeldet, dass die Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA im Juni überraschend leicht gesunken sind. Und der Reigen der US-Konjunkturdaten geht munter weiter. Noch am heutigen abend wird das „Beige Book“ veröffentlicht. In diesem Konjunkturbericht kommentieren die 12 regionalen Zentralbanken die wirtschaftliche Entwicklung. In den letzten beiden Handelsstunden kann es an der Wall Street daher noch richtig rund gehen.
Der Immobilienmarkt muss die Impulse liefern
Ein Schwachpunkt der US-Wirtschaft ist weiterhin der Immobilienmarkt. Die Überbewertung aus der Boomphase wurde innerhalb von 3 Jahren ausgelöscht. Jede Blase muss irgendwann platzen.
Typisch in einer solchen Phase ist es, dass nicht nur die Überbewertung abgebaut wird, sondern dass das Pendel noch weiter ausschlägt und es zu Übertreibungen nach unten kommt. Das bezieht sich auf die aktuell niedrige Anzahl der Neubauten und auf das Preisniveau vieler Immobilien.
Es sieht in diesen Monaten so aus, als habe der US-Immobilienmarkt langsam den Boden erreicht. Negative und positive Nachrichten wechseln sich ab. Das Preisniveau der Häuser zieht in einigen Regionen sogar wieder leicht an. Das große Problem sind nach wie vor die vielen Zwangsversteigerungen.
Beim Thema Zwangsversteigerungen kommen wir automatisch auf eine kritische Verbindung: Da viele Immobilien mit Krediten finanziert wurden, hängen die Banken mit am Tropf des kranken Immobilienmarktes (über das Banken-Sterben in den USA habe ich hier im Schlussgong vor 2 Tagen berichtet). Erholt sich der Immobilienmarkt, wäre das auch der Befreiungsschlag für viele Banken.
Auch der Arbeitsmarkt leidet unter dem Investitionsstau am Bau
Eine Erholung der Baubranche würde nicht nur die Banken entlasten, auch der Arbeitsmarkt könnte eine Belebung dringend gebrauchen. In der Boomphase wurden viel zu viele Häuser und Gewerbeimmobilien gebaut, aktuell liegt das Bauvolumen deutlich unter dem durchschnittlichen Jahresbedarf. Wenn also der Überhang abgearbeitet ist, wird auch die Bautätigkeit wieder zunehmen.
Eine Belebung der Baubranche würde auch den Arbeitsmarkt entlasten. Neue Jobs kann das Land dringend gebrauchen. Auch hier kann es zu einem Multiplikatoreffekt kommen: Sinkt die Arbeitslosenzahl, steigt gleichzeitig das Verbrauchervertrauen (die monatlichen Gehälter können „verplant“ werden). Steigt die Stimmung, werden die Verbraucher erfahrungsgemäß auch konsumfreudiger. Das würde die US-Konjunktur, die zu über 60% vom Konsum abhängt, wieder antreiben.
Diese Überlegungen zeigen: Der Immobilienmarkt ist aktuell der Schlüssel für die US-Konjunktur. Wenn sich dieser Markt erholt, läuft es wieder in der gesamten Wirtschaft runder.
Profi-Investoren steigen jetzt ein
Viele private US-Investoren haben jedoch den Glauben an den Aufschwung verloren und ziehen sich vom Aktienmarkt zurück. Eine Umfrage des Anlegerverbands zeigt, dass der Pessimismus den höchsten Stand seit 12 Monaten erreicht hat.
Ganz anders sieht die Lage bei den Profi-Investoren aus. Institutionelle Anleger haben die Aktien-Quote in den Portfolios zuletzt deutlich erhöht. Spannend: Der Wert ist so hoch, wie zuletzt im März 2009. Das war exakt der Wendepunkt am Aktienmarkt. Im März 2009 begann die imposante Kursrally, die bis Ende des Jahres anhielt.
Die Börse ist schneller als die Realwirtschaft
Das sehr gute Timing im Jahr 2009 bedeutet nicht, dass die „Profis“ am Aktienmarkt immer recht haben. Im Frühjahr 2009 haben die institutionellen Investoren aber offensichtlich erahnt, dass der Tiefpunkt der Realwirtschaft im Jahresverlauf überwunden wird. Das ist eingetroffen.
Wenn die Profi-Investoren jetzt darauf „wetten“, dass sich der Immobilienmarkt 2011 erholt, wird es in der Tat langsam Zeit, sich entsprechend zu positionieren. Die Börsenkurse zeigen oft die Richtung an, in die die Realwirtschaft ein halbes Jahr später läuft. Wer also auf eine Erholung der US-Immobilien im nächsten Jahr setzen will, sollte sich jetzt schon mit Aktien eindecken.

