03.12.2010

Neue Bedrohung: US-Banken zittern vor Wikileaks

 

Grund waren wieder einmal schlechte Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, die beim DAX einen kleinen Rücksetzer auslösten. Zum Handelsschluss notierte der DAX mit 0,1% schwächer bei 6.947 Punkten. Dennoch: Insgesamt war das eine sehr erfreuliche Börsenwoche für die Aktionäre. Allerdings sorgt bei den US-Banken und beim amerikanischen Onlinehändler Amazon ein neues Störfeuer für Unbehagen.

 

Erst zittern die Politiker, jetzt die Bank-Manager

 

Die Medien haben in den vergangenen Tagen vermehrt über die Veröffentlichung „geheimer“ Dokumente durch die Internetplattform „Wikileaks“ berichtet. Diese Veröffentlichungen hatten zunächst nur politischen Charakter. Der Schlussgong möchte jedoch aus einer wirtschaftlichen Betrachtung heraus die Vorkommnisse unter die Lupe nehmen.

 

Wikileaks hat Stärken und Schwächen. Sicher ist es positiv zu werten, wenn die Macher der Plattform hinter die Kulissen schauen und aufzeigen, wo unethisch gehandelt wird. Auf der anderen Seite bekommt der Leser nur speziell ausgewählte Auszüge vorgesetzt, die aus Sicht Wikileaks „wichtig“ sind. Jede Auswahl ist natürlich subjektiv. Es besteht die Gefahr, dass die Öffentlichkeit bewusst oder unbewusst manipuliert wird.

 

Amazon gerät zwischen die Fronten

 

Am stärksten leiden könnte kurzfristig Internet-Verkäufer Amazon. Dieser geriet völlig schuldlos zwischen die Fronten der US-Politik und Wikileaks. Das Problem war, dass Amazon Server an Wikileaks vermietet hat, auf denen die brisanten Inhalte veröffentlicht wurden. So wurde schnell Druck auf Amazon ausgeübt, Wikileaks den Strom abzudrehen.

 

Um nicht zum Spielball beider Seiten zu werden und verärgerte „Patrioten“ als Kunden zu verlieren, hat Amazon dann wirklich die Veröffentlichung auf Amazon-Servern eingestellt. Das wiederum führte zu einer Entrüstung bei den Wikileaks-Befürwortern, die ihrerseits ankündigten, ab sofort nicht mehr bei Amazon zu kaufen.

 

Schaden wahrscheinlich nicht messbar

 

Für Amazon hätte es keinen schlechteren Zeitpunkt geben können, als kurz vor dem Weihnachtsgeschäft zum politischen Spielball zu werden. Entweder Politik und Patrioten sind gegen Amazon, oder die Wikileak-Fans als große Internet-Kundengruppe.

 

Amazon hatte gar keine Chance, irgendwie unbeschadet aus der Nummer raus zu kommen. Wie groß der Schaden aber wirklich ist, wird sich erst noch zeigen. Auch ist fraglich, ob Amazon den Schaden überhaupt genau messen kann. Der Aktienkurs jedenfalls notiert vorerst noch nahe dem Allzeithoch.

 

Das nächste Ziel: Die unethischen US-Banken

 

Wikileaks hat zudem angekündigt, auch Dokumente zu veröffentlichen, die das unethische Verhalten der US-Banken aufzeigen. Angesichts einer Reihe von Skandalen (Goldman Sachs) und schwebenden Silberpreis-Manipulationsvorwürfen gegen J.P Morgan, eigentlich nichts Neues.

 

Trotzdem steigt die Nervosität bei Investoren und Managern. Die Bank of America soll von der neuen Veröffentlichung besonders betroffen sein. Angeblich besitzt Wikileaks ca. 600.000 Seiten aus dem internen Schriftverkehr der Bank, die höchst unethische Geschäftspraktiken zeigen. Die Spannung steigt, je näher der Veröffentlichungszeitpunkt kommt.