
15.10.2010
Rekordboni für US-Banker: Aus der Krise nichts gelernt
Zum Wochenausklang zeigt sich der deutsche Aktienmarkt noch einmal stärker. Nachdem zunächst sogar die Marke von 6.500 Punkten übersprungen werden konnte, ging es nach Bekanntgabe der Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen zunächst bergab. Offenbar hatten einige Marktteilnehmer trotz hoher Arbeitslosigkeit auf ein „Stimmungswunder“ bei der monatlichen Umfrage gesetzt. Am Ende sorgten gute Unternehmensnachrichten für eine positive Wende und der DAX schloss mit 0,57% stärker bei 6.492 Punkten. Wie bereits gestern, so wurde auch heute ein höherer Anstieg von den Bankaktien gestoppt, die deutliche Abschläge hinnehmen mussten. Das sorgt für schlechte Stimmung unter den Bank-Aktionären. Bei den Bank-Managern hingegen herrscht in diesen Tagen sehr gute Stimmung.
Manager werden durch Bonuszahlungen zu hohen Risiken animiert
Nach ersten Schätzungen werden die Bankmitarbeiter an der Wall Street in diesem Jahr 144 Milliarden Dollar verdienen. Damit erreichen die Gehälter und Bonuszahlungen nur 2 Jahre nach der Lehman-Pleite und der schlimmsten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren einen neuen (traurigen) Höchststand.
Rund 32% des jährlichen Gewinns wird im Investmentbanking an die eigenen Manager und Mitarbeiter weitergereicht. Es ist klar, dass es so für den Einzelnen wichtig ist, möglichst viel und möglichst risikoreich zu investieren, um schnelle Gewinne zu erzielen. Denn oft zeigt sich das Risiko einer Anlage erst einige Jahre später und zwar dann, wenn der Banker – leicht überspitzt formuliert - den Bonus schon in Autos, Immobilien und prestigeträchtige Rolex-Uhren investiert hat.
Der UBS ist juristisches Vorgehen gegen die eigenen Zocker zu stressig
Noch schlimmer: Viele Banker brauchen keine Konsequenzen befürchten, wenn die Suche nach dem schnellen Geld mal nach hinten losgeht. Das hat jetzt die Schweizer Großbank UBS eindrucksvoll bewiesen. Nachdem die Investmentbanker in der Finanzkrise hohe zweistellige Milliardenbeträge verbrannt haben, kommt jetzt die Ankündigung des UBS-Verwaltungsrats, dass die Mitarbeiter nicht juristisch belangt werden. Begründung: „Führt zu negativer Berichterstattung und kostet zu viel.“ Was für billige Ausreden.
Ein herber Schlag auch für die Aktionäre, die jetzt hinnehmen müssen, dass gerade die Banker, die für die hohen Kursverluste verantwortlich sind (der Aktienkurs fiel von 81 auf jetzt 8 Schweizer Franken), ohne Strafe ihr (Berufs-)Leben genießen können. Auch die Drohung der einflussreichen Schweizer Anlagestiftung Ethos, im nächsten Jahr zur Abwahl des Verwaltungsrats aufzurufen, wird daran nichts mehr ändern können.
Der letzte Ausweg: Der Staat muss eingreifen
Für die Banker geht also die Suche nach dem schnellen Geld weiter. Solange es gut geht, fließt viel Geld in die Taschen der Investmentbanker. Geht die Rechnung nicht auf, stellt sich die Bank schützend vor sie. Der Staat, also wir Steuerzahler, retten dann die „systemrelevanten“ Banken.
Daher ist es mehr als verständlich, dass die Eigenkapitalquote der Banken – staatlich verordnet - hochgefahren werden soll. Nur so kann das Streben nach Rekord-Bonus-Zahlungen unterbrochen werden. Wie gestern hier im Schlussgong geschrieben: Die Banken müssen vom Staat zu ihrem Glück gezwungen werden. Nur dann erhöhen die Banken die Sicherheit und nur dann sind Bank-Aktien wieder ein attraktives Investment.

