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04.05.2010

Griechenland-Krise: Die US-Medien blicken nach Europa

 

Die Quartalssaison läuft weiterhin sehr erfreulich. Auch heute lieferten die Unternehmen ein „Feuerwerk“ an guten Zahlen (in Deutschland zum Beispiel Eon, Adidas oder Hannover Rück, hier in den USA der Pharma-Gigant Pfizer). Die „Belohnung“: Ein Kurssturz an den Aktienmärkten. Der Grund: Umsatz- und Gewinnzahlen spielen aktuell keine Rolle. Die Aktienmärkte werden weiterhin von der Griechenland-Krise beherrscht.

 

Heute reichte das Gerücht, dass der griechische Finanzbedarf bis Ende 2012 nicht bei 110, sondern sogar bei 150 Mrd. Euro liegt, um eine Panik an den internationalen Aktienmärkten auszulösen. Der DAX fand erst bei 6.000 Punkten eine Unterstützungslinie.

 

Es ist immer wieder erstaunlich, wie heftig „Investoren“ auf solche Schätzungen reagieren. Dabei ist nur ein Punkt sicher: Es wäre reiner Zufall, wenn der griechische Finanzierungsbedarf tatsächlich bei 150 Mrd. Euro liegt. Denken Sie nur an die Bankenkrise zurück: Am Anfang waren die Verlust-Schätzungen viel zu niedrig, am Ende dagegen viel zu hoch.

 

In einer Krisensituation sind halbwegs belastbare Schätzungen schlicht und einfach nicht möglich. Das ist blanker Unsinn. Daher werde ich Ihnen hier im Schlussgong auch keine eigene „Schätzung“ präsentieren. In 2 bis 3 Jahren werden wir wissen, wie hoch der Finanzbedarf war.

Balsam für die US-Seele

 

Immerhin hat es Griechenland geschafft, dass das Thema Europa regelmäßig auf der Titelseite der amerikanischen Wirtschaftspresse auftaucht. Während meiner USA-Reise habe ich bei der Morgenlektüre fast täglich entsprechende Artikel gefunden.

 

 

In den Gesprächen in New York oder am Rande der Berkshire-Versammlung in Omaha zeigte sich, dass die Lage in Europa sehr kontrovers bewertet wird. Bei der wirtschaftlichen Einordnung trafen 2 unterschiedliche Standpunkte aufeinander.

 

 

Einige US-Finanzredakteure vertraten die Meinung, dass das große Medienecho „Balsam für die geschundene US-Seele“ ist. Im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise stand regelmäßig die US-Wirtschaft im Brennpunkt (Preisverfall am US-Immobilienmarkt als Ausgangspunkt, 99 Mrd. USD Jahresverlust beim Versicherungskonzern AIG als „Verlust-Weltrekord“ für ein einzelnes Unternehmen).

 

 

Wenn es jetzt in Europa „brennt“, zeige das, dass die US-Wirtschaft nicht immer der Hauptschuldige sei.

Euro-Schwäche auch für die US-Wirtschaft eine Gefahr

 

Während also einige Finanzberichterstatter die Griechenland-Krise fast mit einer gewissen Erleichterung betrachten, geht die Gegenseite in eine ganz andere Richtung. Die immer wieder formulierte Sorge: Die Griechenland-Krise schwächt den Euro und macht dadurch den USD zu teuer. Genau das könne die US-Wirtschaft jetzt nicht gebrauchen.

 

 

Die US-Marktbeobachter, die den Schwerpunkt auf die Währungsfrage legen, verweisen auf die offizielle Regierungspolitik. Präsident Obama sieht nur einen Ausweg aus der Krise: Die sehr stark binnenmarktorientierte US-Wirtschaft muss Richtung Export umgebaut werden, damit ein wirtschaftliches Gleichgewicht entstehen kann.

 

 

Ein solcher Umbau wird aber fast unmöglich, wenn der USD zu teuer wird und damit die Waren für ausländische Käufer unattraktiv werden. Die Griechenland-Krise und die Euro-Schwäche werden daher auch für die US-Wirtschaft als eine Gefahr gesehen.

Abschluss der USA-Reise

 

Aus dem aktuellen Anlass habe ich heute die Griechenland-Krise aus „amerikanischer Sicht“ beschrieben. Es ist für einen Europäer sehr interessant, wie unterschiedlich die Krise von den US-Medien bewertet wird.

 

Morgen erhalten Sie hier im Schlussgong meinen Abschlussbericht von der USA-Reise. Dann werden noch einmal Warren Buffett und Charlie Munger im Mittelpunkt stehen.