
22.10.2010
Degi Europa: Ein Fondsklassiker muss geschlossen und abgewickelt werden
Ich befinde mich noch auf der Gewinn-Messe in Wien, aber der für heute angekündigte Messebericht muss ausfallen. Es gibt ganz aktuell wichtigere „Baustellen“ am Finanzmarkt. Die positive Entwicklung der Aktienmärkte überdeckt in dieser Woche die Negativ-Schlagzeilen aus der Immobilienbranche. Da sich die Massenmedien auf die Kursgewinne bei DAX und Co. konzentrieren, möchte ich den Schwerpunkt erneut auf die krisengeschüttelte Immobilien-Fonds-Branche legen.
Es geht hier um viel Geld: Deutsche Anleger haben fast 90 Mrd. Euro in die offenen Immobilienfonds investiert. Über Jahrzehnte galt diese Anlageklasse als „bombensicher“. Die Jahresrenditen lagen zwar oft nur zwischen 4 bis 6%, dafür gab es keine negativen Ausrutscher. Doch dann setzte ab 2006 die Immobilienkrise ein und erreichte spätestens 2008 auch den deutschen Markt. Es ist zu befürchten, dass die Krise in der Branche eskaliert. Auslöser sind die Fonds-Schließungen.
Ausreden zählen nicht mehr – Krise real
Die Probleme bei den offenen Immobilienfonds sind kein Geheimnis mehr. In der Fondsbranche wurde aber stets beschwichtigt. In den Gesprächen wurde immer wieder versichert, dass nur wenige Fonds wackeln. Dabei soll es sich um die jungen Immo-Fonds handeln, die zu spät in den Immobilien-Markt eingestiegen sind und dann zu hohe Preise gezahlt haben. Als Musterfall gilt der Immo-Fonds P2 Value von Morgan Stanley.
Doch diese Beschwichtigungsstrategie funktioniert nicht mehr. Heute musste ein „Klassiker“ der Branche das Ende verkünden. Der Fonds Degi Europa wird geschlossen und aufgelöst. Dieser Fonds wurde bereits 1972 gegründet. Rund 90.000 Anleger haben 1,3 Mrd. Euro im Fonds investiert.
Der Fonds war schon lange am Markt und hatte die notwendige Größe, um wirtschaftlich erfolgreich arbeiten zu können. Wenn dieser Fonds wackelt und stürzt, kann es im Prinzip fast jeden Fonds erwischen (wobei es in der Branche auch noch erfolgreiche Fondsmanager gibt).
Die Abwicklung kann 3 Jahre dauern
Heute wurde die Beerdigung des Degi Europa angekündigt, die Fonds-Anleger müssen aber noch lange warten, bis das traurige Kapitel endgültig abgeschlossen ist. In den nächsten 3 Jahren sollen alle Immobilien aus dem Fonds-Portfolio verkauft werden. Die Fondsbesitzer erhalten bis dahin voraussichtlich alle 6 Monate eine Teilauszahlung.
Wer nicht bis 2013 warten will, kann die Fondsanteile auch noch über die Börse verkaufen. Heute zeigte sich der Fondskurs trotz der Horrornachrichten sogar sehr stabil. Die Börse war mal wieder ein sehr guter Frühindikator und hatte die Verluste schon vorweggenommen, wie der 12-Monats-Verlust von rund 25% zeigt.
Welche Variante besser ist – auf Auflösung warten oder Börsenverkauf – ist schwer zu beantworten. Es kommt darauf an, wie gewissenhaft das Management den Verkauf abwickelt. Wenn alles möglichst schnell gehen soll, werden die Verkaufserlöse gering sein. Wenn das Management dagegen möglichst hohe Preise aushandelt (weil die anderen Immo-Fonds der Fondsgesellschaft gestützt werden sollen), kann der Verkaufserlös über dem aktuellen Börsenkurs liegen.
Die nächsten Bomben warten schon
Anfang der Woche schrieb ich Ihnen hier im Schlussgong, dass die nächste Bombe in der Fonds-Branche bereits in 14 Tagen explodieren kann. Leider war diese negative Einschätzung noch immer zu optimistisch. Die erste Bombe ist bereits heute explodiert.
Damit ist der Ärger aber noch nicht vorbei. Die alten Daten gelten weiterhin. Anfang November müssen erneut einige Fonds-Manager entscheiden, ob sie die Fonds wieder öffnen, oder aber schließen und abwickeln. Da der Fall Degi Europa für negative Schlagzeilen sorgen wird, erwarte ich eine neue Verkaufs-Welle. Die Chancen auf ein Comeback der angeschlagenen Immo-Fonds sind mit dem heutigen Tag stark gesunken.

