
28.10.2010
Aktienmarkt Österreich: Kurzfristig unter Druck, langfristig attraktiv
Die Aktienmärkte konnten sich heute für keine Richtung entscheiden. In Europa gab es zunächst relativ deutliche Gewinne, die aber im Späthandel zum Teil wieder ausgelöscht wurden. In den USA kam der Markt in den ersten Handelsstunden unter Druck. Zu den wenigen Indizes, die in Europa mit einem Minus schlossen, gehörte der österreichische Leitindex ATX. Österreich gehört seit einigen Jahren zu den spannendsten Aktienmärkten in Europa, doch kurzfristig gibt es etwas Gegenwind.
Steuerdebatte belastet
Für Gegenwind sorgt zum Beispiel die gestern hier im Schlussgong bereits beschriebene Vermögenszuwachssteuer auf Börsengewinne, die ab dem 1. Januar 2011 eingeführt werden soll. Da viele Fragen noch offen sind, herrscht Unsicherheit. Und die Börse hasst Unsicherheit.
Über den Sinn und Unsinn dieser Steuer kann man streiten (wobei ich ganz klar für eine Steuerbefreiung eintrete, wenn Anleger über mehrere Jahre an einem Börsen-Investment festhalten), aber über die Art und Weise, wie die Steuer eingeführt wird, kann man nicht streiten. Das ist einfach nur ein Armutszeugnis.
Es fehlt die große Linie
In diesen Tagen, also Ende Oktober, wird das Steuermodell präsentiert. Bis Mitte November können dann noch Korrekturvorschläge gesammelt werden. Die endgültige Fassung des Gesetzestextes erfährt der Kleinanleger dann irgendwann im Dezember aus der Zeitung. Gelten sollen die neuen Regeln aber bereits ab dem 1. Januar.
Ein solcher Schnellschuss kann doch nicht die Grundlage für eine vernünftige Politik sein! Zum einen können sich die Anleger nicht in Ruhe auf die neue Situation einstellen. Der Gesetzgeber provoziert unnötige Panik-Reaktionen. Wenn es darum geht, Steuern zu sparen, machen die Anleger die verrücktesten Dinge.
Zum anderen präsentiert der Gesetzgeber keine umfassende Steuerreform, sondern nur eine plumpe Steuererhöhung. Das Steuersystem wird nicht verbessert. Wenn der Staat schon eingreift, wäre es schön, wenn er alle Fragen rund um das Thema „Vermögen“ in ein halbwegs logisches System pressen würde. Der Steuerzahler will verstehen, warum er welche Steuern zahlen muss. Wer das System nicht versteht, der misstraut dem System. Das ist dann die Grundlage für die spätere Steuerhinterziehung.
Verbund und EVN: Negativ-Meldungen belasten
Die Steuerdebatte darf aber nicht überdecken, dass es in diesen Tagen noch weitere Belastungsfaktoren gibt. Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich stehen die Energieversorger unter Druck.
So hat der Verbund-Konzern heute mittelmäßige Zahlen präsentiert. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen beim Jahresüberschuss einen Rückgang um rund 35%. Ein zweistelliger Rückgang war erwartet worden, aber natürlich hofften viele Investoren auf eine positive Überraschung. Die konnte ich in den heutigen Zahlen nicht entdecken.
Noch kurioser die Entwicklung beim Versorger EVN aus Niederösterreich. Hier hat eine Kapitalerhöhung hohen Unterhaltungswert. Der erste Anlauf war schon fast durch, da ließ der deutsche Großaktionär EnBW die Transaktion völlig überraschend platzen. Im zweiten Anlauf scheint die Kapitalerhöhung jetzt zu klappen.
Kurzfristig also nur Gegenwind. Für Langfristinvestoren ist das ein gefundenes Fressen: Der Verbund ist im Bereich Wasserkraft ein Filet-Stück der europäischen Versorger-Branche und die EVN-Aktie ist gemessen an der fundamentalen Bewertung deutlich unterbewertet. Wer genug Zeit hat, wird hier in einigen Jahren reich ernten.
A-Tec: Albtraum für Aktionäre
Ein Schockerlebnis für einen Aktionär: Man wacht morgens auf und liest die Schlagzeile, dass das Unternehmen einen Insolvenz-Antrag gestellt hat. So mussten sich vor wenigen Tagen die Aktionäre des Industrie-Konzerns A-Tec fühlen. Der Kurs wurde zunächst vom Handel ausgesetzt.
Die Quasi-Pleite aus dem Nichts hat für viel Ärger gesorgt. Natürlich gab es vorab einige Warnsignale. Rückblickend waren die Meldungen aber noch immer zu optimistisch. Es muss sehr kritisch geprüft werden, ob die A-Tec-Manager (und Großaktionäre) tatsächlich von der Entwicklung so plötzlich überrascht wurden.
Da eine gewisse Substanz vorhanden ist, wird ein Total-Verlust für die Aktionäre hoffentlich zu vermeiden sein (die Aktie wird schon wieder rege gehandelt), aber auch hier zählt die Art und Weise, wie der Fall abgelaufen ist. So kann kein Vertrauen aufgebaut werden.
Kaufen, wenn die Stimmung schlecht ist
Wie oben beschrieben: Es gibt einige Nachrichten, die an der Börse Wien für schlechte Stimmung sorgen. Aber genau das sind oft die besten Einstiegsgelegenheiten. Bereits vor 4 Wochen habe ich Ihnen im Schlussgong einige interessante Österreich-Aktien genannt. Hier lohnt sich ein genauer Blick.

