
28.09.2010
Nebenwerte-Favoriten aus Österreich: Semperit
Derzeit befinde ich mich in Österreich, um vor Ort Informationen über aussichtsreiche Aktiengesellschaften zu sammeln. Ich werde Ihnen in dieser Woche fünf österreichische Unternehmen vorstellen, die etwas im Schatten der ATX-Schwergewichte stehen, aber mindestens genauso aussichtsreich sind. Viele österreichische Firmen aus der zweiten Reihe stehen zu Unrecht bei den deutschen Analysten nicht auf der Beobachtungsliste. Das hat nichts mit der Qualität der Unternehmen zu tun. Deswegen möchte ich Ihnen in dieser Woche fünf Unternehmen vorstellen, die einen genaueren Blick wert sind. Dabei geht es nicht um konkrete Kauf-Empfehlungen. Ich möchte Sie nur ermuntern, sich etwas intensiver mit diesen Unternehmen zu beschäftigen.
Weitergehende Analysen finden Sie in meinen Börsendiensten „Der Depot-Optimierer“ und „Morriens Power-Depot“. Im ersten Teil der Serie habe ich Ihnen RHI vorgestellt (Sie können den Artikel auf der Homepage: www.depot-optimierung.gevestor.de im Archiv nachlesen). Heute möchte ich Ihnen einen Einblick in das Unternehmen Semperit geben.
Kautschuk-Hersteller der Extra-Klasse
Die Semperit AG ist ein Unternehmen, das sich auf die Kautschuk- und Kunststoff-Verarbeitung spezialisiert hat. Das Geschäft unterteilt sich dabei in die vier Sparten Sempermed, Sempertrans, Semperflex und Semperform. Dem Geschäftsbereich „Sempermed“ kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn die Sparte entpuppt sich immer mehr als Wachstumsmotor für den Konzern.
Sempermed produziert in erster Linie qualitativ hochwertige medizinische Handschuhe. Die stark steigende Nachfrage aus den Wachstumsmärkten in Asien spricht für eine weitere Vergrößerung des Anteils am Gesamtergebnis. Bereits jetzt ist Sempermed für rund 45% des Umsatzes im Unternehmen verantwortlich.
Sempermed: Zweistellige Wachstumsraten
In der ersten Jahreshälfte wuchs dieser Geschäftszweig um 12,6% auf 152 Mio. Euro und somit schneller als der Umsatz des Gesamtkonzerns. Hier lag das Wachstum bei 11,6% und der Umsatz verbesserte sich auf insgesamt 330 Mio. Euro. Der Konzerngewinn stieg um 15,7% auf 22 Mio. Euro.
Anders als die drei anderen zyklischen Geschäftsbereiche besitzt Sempermed zwei entscheidende Vorteile. Das Geschäft ist relativ konjunkturunabhängig, denn medizinische Versorgung wird auch in Krisenzeiten benötigt. Und: Schnell wachsenden Märkte wie China und Indien verlangen im Zuge des gestiegenen Wohlstands vermehrt nach einer qualitativ hochwertigen medizinischen Grundversorgung.
Dabei spielen die von Sempermed produzierten medizinischen OP- und Untersuchungs-Handschuhe eine große Rolle, was die hohen Wachstumsraten erklärt. Schon im vergangenen Jahr war die Nachfrage so groß, dass die lieferbare Menge übertroffen wurde. Um dem entgegen zu wirken, baut Semperit deshalb für 25 Mio. Euro ein neues Werk in Thailand, das die Kapazität um 3 Mio. Handschuhe steigern soll.
Hohe Eigenkapitalquote und attraktive Dividende
Ein Blick auf die Bilanz zeigt: Semperit-Aktionäre brauchen sich keine Gedanken über die finanzielle Lage des Unternehmens machen. Die Eigenkapitalquote liegt bei über 70%, so dass nicht nur künftige Krisen überbrückt werden können, sondern auch noch Spielraum für zusätzliche Übernahmen oder Investitionen bleibt.
Eine starke Bilanz reicht aber nicht aus, um Aktionäre zu beeindrucken. Seit Anfang September geht es zwar mit dem Aktienkurs des Konzerns wieder aufwärts, im August stand der Kurs aber unter Druck.
Grund dafür war, dass sich die Gewinnmarge des Unternehmens u.a. aufgrund gestiegener Rohstoffpreise von 13,8% auf 12,9% verschlechtert hat. Diese Preiserhöhung konnte Semperit (noch) nicht an die Kunden weitergeben. Das geschieht erst mit einer zeitlichen Verzögerung.
Die kleine Kursdelle zeigt: Viele Investoren suchen aktuell am Aktienmarkt das Haar in der Suppe. Wenn neun Unternehmens-Kennzahlen überzeugen, aber eine leicht enttäuscht, reicht das schon für einen Kursabschlag.
Da eine Stabilisierung der Gewinnmarge zu erwarten ist, wird der mittelfristige Aufwärtstrend wieder fortgesetzt. Dafür sorgt auch die üppige Dividenden-Rendite, die Werte von über 4% erreichen kann.

