Goldman Sachs: Der Fall bleibt ein Rätsel

Rolf Morrien schreibt den Newsletter Morrien's Schlussgong.

Rolf Morrien verfolgt ihn mit großen Interesse: Den Goldman Sachs Krimi. Was ist passiert bei der Bank und wie geht es jetzt weiter? Der Börsenexperte hat die neuste Ergebnisse aus den USA.


An den Aktienmärkten wird über 2 Themen diskutiert: Zum einen hält der isländische Vulkan Eyjafjallajökull die internationalen Reise- und Transportgesellschaften in Schach. Unternehmen wie Lufthansa, Air Berlin und TUI werden an der Börse abgestraft, der Autovermieter Sixt kann sich dagegen über ein nettes Extra-Geschäft freuen.

Zum anderen wirkt immer noch die Schockwelle aus New York nach. Die Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen die „Vorzeige-Bank“ Goldman Sachs beschäftigt die Gemüter. Viele Bank-Aktien tendierten heute erneut schwächer. Der Fall bleibt aber unklar.

Vorwurf: Fehlerhafte Risikohinweise

Im Zentrum des Skandals steht das von Goldman Sachs konstruierte und verkaufte Finanzmarktprodukt „Abacus 2007-AC1“. Anfang 2007 wurde das Finanzmarktprodukt gegründet, nur 9 Monate später war es mit einem Verlust von 99% quasi wertlos.

Die Abacus-Investoren verloren rund 1 Mrd. USD. Gleichzeitig gewannen Hedgefonds, die genau gegen dieses Produkt „gewettet“ hatten, rund 1 Mrd. USD. Das Kapital wurde also nur „umverteilt“.

Dieser Vorgang steht jetzt im Zentrum der Anklage: Die Börsenaufsicht wirft Goldman Sachs nicht vor, Abacus konstruiert und verkauft zu haben, der Kritikpunkt ist der fehlende Risikohinweis (Anlegertäuschung). Goldman Sachs hätte die Kunden darauf hinweisen müssen, dass einige Marktteilnehmer von der ersten Stunde an auf den wertlosen Verfall von Abacus spekuliert haben.

 

Goldman Sachs mit klarer Verteidigungsstrategie

Die angeklagte US-Bank Goldman Sachs wehrt sich natürlich gegen die Vorwürfe. Der erste Eindruck ist, dass die Bank in dieser juristischen Angelegenheit durchaus Chancen auf ein relativ mildes Urteil hat – sich im Extremfall sogar als „Opfer“ aufspielen kann.

Goldman Sachs will beweisen, dass jeder Kunde darüber informiert wurde, dass am Finanzmarkt auf steigende und fallende Kurse von Abacus spekuliert werden kann. Liegt dieser Hinweis schriftlich vor, wird es schwer, Goldman in die Enge zu treiben.

Ein wichtiger Punkt der Verteidigungsstrategie ist der eigene Schaden. Goldman Sachs veröffentlichte eine Rechnung, dass die Bank durch den Kursabsturz von Abacus als Mitbesitzer 90 Mio. USD verloren hat, aber gleichzeitig nur 15 Mio. USD Gebühren kassiert hat. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 75 Mio. USD.

Es gibt jetzt 2 Möglichkeiten: Entweder wusste die Bank tatsächlich nicht, dass sie Miteigentümer von Schrott-Produkten ist (die ihr ein einzelner Mitarbeiter untergejubelt hat), oder aber es gibt in diesem Zusammenhang noch versteckte Zahlungen (zum Beispiel von den Hedgefonds), so dass Goldman an dem Deal doch verdient hat.

 

Bank oder Einzeltäter?

Goldman Sachs wird also voraussichtlich auf die „Opfer-Rolle“ bestehen. Der Schuldige wäre in dieser Variante der Goldman-Banker Fabrice Tourre, der Abacus fehlerhaft konstruiert hat. Die US-Börsenaufsicht will dagegen beweisen, dass Tourre Rückendeckung von seinen Vorgesetzten hatte.

Das Spiel ist aber heiß: Wenn die Börsenaufsicht nicht beweisen kann, dass Tourre auf Anweisung der Bank gehandelt hat, sondern still und heimlich den gefährlichen Milliarden-Deal vorbereitet hat, um sich 2007 einen fetten Extra-Bonus zu erschleichen, könnte Goldman Sachs am Ende tatsächlich das Opfer spielen.

Aber Goldman Sachs ist auf jeden Fall (mit-)schuldig: Die gigantischen Bonus-Zahlungen führen fast zwangsläufig dazu, dass junge Banker alles tun, um das große Los zu ziehen. Es geht um das schnelle Geld, nicht um den langfristigen Erfolg.

Das Anreizsystem ist eine Einladung zum „Zocken“. Daher ist Goldman auf keinen Fall das arme Opfer. Es geht nur darum, wer mehr Schuld auf sich geladen hat: Hat Goldman Sachs den jungen Banker angestiftet, oder hat dieser eigenmächtig den großen Spielraum ausgereizt?

Der Strippenzieher bleibt (noch) unbelästigt

Das größte Rätsel in diesem Banken-Skandal ist für mich aber, warum der angebliche Strippenzieher des Abacus-Deals, der milliardenschwere Hedgefondsmanager John Paulson, nicht ebenfalls im Zentrum der Ermittlungen steht (zumindest nicht offiziell).

Wenn die Hintergründe der Geschichte stimmen, lief der Abacus-Deal wie folgt ab: Der Hedgefondsmanager John Paulson sprach die Bank Goldman Sachs an, ob sie das Finanzmarktprodukt Abacus gründen und vertreiben könne. Goldman hat den Auftrag angenommen.

In der Gründungsphase soll Paulson mehrfach darauf eingewirkt haben, dass möglichst riskante und schwach abgesicherte verbriefte Hypothekenkredite in das Abacus-Portfolio fließen.

Zeitgleich hat Paulson riesige Wetten auf den Kursabsturz von Abacus platziert. Das Ergebnis habe ich bereits geschildert: Die Abacus-Käufer haben rund 1 Mrd. USD verloren, Paulson und Co. haben dagegen das Geld gewonnen.

 

Geboren, um zu sterben

Das muss man sich vorstellen: Ein Hedgefondsmanager gibt ein Finanzprodukt in Auftrag, sorgt als Berater dafür, dass möglichst viel Schrott ins Portfolio wandert und kassiert anschließend nach nur wenigen Monaten eine gigantische Summe am Zusammenbruch.

Von der ersten Sekunde an ging es Paulson nur darum, ein Schrott-Produkt von einer prestigeträchtigen Bank verpacken zu lassen, möglichst leichtgläubige Käufer zu finden (die deutsche Mittelstandsbank (!) IKB war ein dankbarer Abnehmer und hat gleich 150 Mio. Euro investiert) und dann nur noch auf den schnellen Untergang zu warten.

Kommentar der Börsenaufsicht: Paulson habe immer offen mitgeteilt, dass er auf einen Crash setzt, daher könne ihm keine Täuschung vorgeworfen werden. Was für eine absurde Begründung!

Welche Rolle spielt Paulson?

Wenn ich als Bauherr einen Architekten beauftrage, in einem Erdbebengebiet ein möglichst instabiles Haus zu bauen, um dann die Lebensversicherungen der Hauskäufer zu kassieren, trage ich eine Mitschuld. Natürlich hat der Bauherr niemanden direkt getötet - und vielleicht hat er sogar die Bewohner vor Erdbeben gewarnt, aber ich darf kein Haus in Auftrag geben und bewusst alle Stützpfeiler entfernen lassen.

Es ist mir völlig schleierhaft, warum Paulson von der Börsenaufsicht nicht in die Zange genommen wird. Eine Möglichkeit: Er hat einen Deal mit der Börsenaufsicht gemacht und soll Goldman Sachs ans Messer liefern. Für die Staatsanwälte ist Goldman Sachs natürlich ein wesentlich prominenteres Opfer als ein Hedgefondsmanager, der nur in Finanzkreisen bekannt ist.

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Sichere Währungen: Schweizer Franken gehört nicht dazu

Sichere Währungen finden sich schwerer als gedacht. Auch der schweizer Franken enttäuscht.

Angesichts der Eurokrise, erstarken die Schweizer Franken. Doch nur vorrübergehend. Sichere Währungen werden weiter gesucht.


Die Schweiz galt immer schon als sicherer Hafen für die Millionen nicht nur der Nachbarländer. Doch es ist Vorsicht geboten, denn auch die Schweiz leiden unter der angespannten Situation in der Eurozone. Die Schweizer Franken haben ihren Status als sichere Währung eingebüßt. Wer sichere Währungen sucht, muss sich also an anderer Stelle umsehen.

Sichere Währungen? Schweizer Franken leidet auch unter Euro-Schwäche!

In der Schweiz werden viele Politiker, Unternehmer und Notenbanker hoffen, dass die Griechenland-Krise dauerhaft von der Tagesordnung verschwindet. Denn: Der scheinbare Sieger Schweiz könnte zu einem großen Verlierer der Griechenland-Krise werden.

Es geht natürlich um die Währungsfrage. Aus Angst davor, dass aus der Griechenland-Krise eine Euro-Krise wird, tauschen viele Investoren ihre Euro-Bestände in Schweizer Franken um. Diese Reaktion ist aber doppelt und dreifach gefährlich.

Der Schweizer Franken ist viel zu klein. Wenn die Titanic untergeht, können sich nicht alle Passagiere auf einen kleinen Dampfer retten. Wird die Last zu groß, geht auch der Dampfer unter.

 

Die Produkte und Dienstleistungen werden immer teurer

Die Folgen sind schon jetzt sichtbar. Vor der Griechenland-Krise kostete 1 Euro rund 1,51 Schweizer Franken (CHF). Zu Beginn der Finanzkrise waren es sogar gut 1,65 CHF. Aktuell kostet 1 Euro nur noch 1,44 CHF. Das klingt gut, hat für die Schweizer Wirtschaft aber unangenehme Folgen: Die Schweizer Produkte werden im Ausland immer teurer.

Die Schweizer Maschinen- und Chemiehersteller konkurrieren oft mit deutschen Unternehmen. Im direkten Vergleich können die deutschen Unternehmen aufgrund der Euro-Schwäche die Waren und Dienstleistungen günstiger anbieten.

Das heißt: Die Schweizer Realwirtschaft leidet unter dem Erfolg der eigenen Währung. Eine schwache Wirtschaft ist aber kein solides Fundament für eine sichere Währung. Der Schweizer Franken fault von innen.

Abhängig von der Finanzbranche

Beim Stichwort Realwirtschaft muss auch die Wirtschaftsstruktur berücksichtigt werden. Das Schweizer Bruttoinlandsprodukt ist im Vergleich zur Bilanzsumme der Schweizer Finanzkonzerne fast schon winzig klein. Die Schweiz hat keine Chance, ein Banken- und Versicherungssterben ohne fremde Hilfe zu überleben.

Die starke Übergewichtung der Finanzbranche ist genau der Grund, warum der US-Ökonom Nouriel Roubini die 3 Länder Island, Irland und die Schweiz als mögliche Krisen-Herde identifiziert hat. Die Finanzkrise hat Island bereits Richtung Intensivstation befördert.

Darum ist es erstaunlich, dass viele Investoren, die Angst vor einer neuen Bankenkrise haben, ihr Kapital in Schweizer Franken umtauschen. Kaum ein anderes Land in Europa ist so extrem von Banken und Versicherungen abhängig. Und wenn die Schweizer Finanzbranche wackelt, dann wackelt auch die gesamte Wirtschaft und die Währung.

Schweizer Franken ist nur einer leichten Krisensituation stark

Fazit: Es ist richtig und konsequent, nicht das gesamte Kapital auf eine Währungs-Karte zu setzen. Daher sollte man als Anleger verschiedene Währungen abdecken. In einen solchen Währungskorb gehört auch der Schweizer Franken.

Der Schweizer Franken ist im Crash aber nicht der sichere Hafen. Diese Währung ist genau dann stark, wenn die Krise im Euro-Raum für Unruhe sorgt, aber nicht eskaliert. In einer echten Krise wird auch der Mythos vom soliden Schweizer Franken schnell entzaubert. Die Suche nach sicheren Währungen also geht weiter.

 
 
 

DAX: Die Commerzbank-Aktie bleibt ein Risiko-Papier

Rolf Morrien kennt sich aus am Aktienmarkt.

Der Aktienmarkt gönnt den Investoren ein vorgezogenes Ostergeschenk: Weltweit legen die Aktienkurse kräftig zu. Der DAX ist deutlich über die Marke von 6.200 Punkten gesprungen. Diesen Befreiungsschlag hatte ich schon einige Tage...


Es reichten heute schon einige gute Konjunkturdaten aus den USA, um die Märkte zu beflügeln.

Allerdings muss berücksichtigt werden, dass starke Kursbewegungen direkt vor oder nach Feiertagen nicht sonderlich aussagekräftig sind, da aufgrund der geringen Umsätze schon kleinere Order reichen, um die Kurse in bestimmte Richtungen zu lenken.

Dennoch: Die gute Stimmung wird weitere Investoren anlocken. Das spricht für eine Fortsetzung der Rally.

Commerzbank-Aktie bleibt relativ schwach

Zu den schwächeren DAX-Werten gehört heute die Commerzbank-Aktie. Das passt zum Trend. Seit rund 6 Monaten bröckelt der Kurs langsam ab. Erreichte die CoBa-Aktie im 2. Halbjahr 2009 fast schon wieder die 10-Euro-Marke, kostet die Aktie jetzt noch gut 6 Euro.

Wie mehrfach hier im Schlussgong geschrieben: Der Anstieg auf 10 Euro war ein Rätsel. Fundamentale Gründe konnte ich dafür nicht entdecken. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Selbst das aktuelle Kursniveau halte ich noch für zu hoch.

Der Staatseinfluss soll reduziert werden

Gestern hat das Commerzbank-Management zum ersten Mal angedeutet, wie eine „Entstaatlichung“ ablaufen könnte. Zur Erinnerung: Mitten in der Finanzkrise hat der Staat (die deutschen Steuerzahler) die Commerzbank mit stillen Einlagen in Höhe von 16,4 Mrd. Euro gerettet. Für weitere 1,8 Mrd. Euro erhielt der Staat 25% plus 1 Aktie der Commerzbank.

Die Commerzbank-Manager wollen den Staatseinfluss aber möglichst bald reduzieren. Zum einen möchten sie wieder „ungestört“ die Bankgeschäfte erledigen, zum anderen kontrolliert der Staat die Gehälter bei Banken mit Staatseinfluss.

 

Verwässerung durch riesige Kapitalerhöhungen

Die Commerzbank-Manager wissen ganz genau, dass die Bank die 16,4 Mrd. Euro nicht auf einen Schlag auftreiben kann. Daher sollen verschiedene Geldquellen angezapft werden.

Ein Großteil des benötigten Kapitals soll von alten und neuen Investoren kommen. Auf der nächsten Hauptversammlung sollen die Aktionäre eine riesige Kapitalerhöhung beschließen. Bis zu 590 Mio. junge Commerzbank-Aktien könnten auf dem aktuellen Kursniveau rund 3,8 Mrd. Euro in die Kasse spülen. Hinzu kommt noch eine Wandelanleihe, die auch rund 1,7 Mrd. Euro frisches Kapital bringen kann.

Insgesamt würde die Commerzbank mit diesen Instrumenten auf dem aktuellen Niveau rund 5,5 Mrd. Euro einsammeln. Aber: Gleichzeitig gibt es dann bis zu 860 Mio. neue Commerzbank-Aktien an der Börse. Die Alt-Aktionäre müssen mit einer extremen Verwässerung rechnen. Ihr Anteil an der Bank schrumpft gewaltig. Das wird natürlich auch beim Aktienkurs Spuren hinterlassen.

Konjunkturerholung ist nicht planbar

Dieser Kraftakt würde rund 1/3 der benötigten Summe einbringen. Die Commerzbank will daher zusätzlich Risiko-Positionen abbauen, damit jetzt noch gebundenes Kapital für die Rückzahlung eingesetzt werden kann.

Planbar ist das allerdings nicht. In diesem Punkt ist die Bank von der Konjunktur abhängig. Erholt sich die Wirtschaft, dann kann die Risikovorsorge gesenkt werden. Bricht die Konjunktur jedoch wieder ein, braucht die Commerzbank das Geld (und noch viel mehr), um die Kredit-Risiken abzudecken.

Zinsen fressen den Gewinn auf

Eine weitere Geldquelle sollen zukünftige Gewinne sein. Die Commerzbank rechnet aber erst ab 2011 mit einem größeren operativen Gewinn. Hinzu kommt: Da die „Spielregeln“ für Banken verschärft werden, sinken zukünftig auch die Gewinne. Die Commerzbank wird kämpfen müssen, um den Rekordgewinn von knapp 2 Mrd. Euro zu wiederholen.

Ein zusätzlicher Dämpfer: Sobald die Bank wieder Geld verdient, verlangt der Staat für die stillen Einlagen Zinsen. Und das nicht zu knapp! Immerhin 1,5 Mrd. Euro pro Jahr. Eine harte Nuss, die die Commerzbank knacken muss.

Der Staat will seine Aktien auch noch verkaufen

Es kommt aber noch schlimmer: Auch der Rest-Gewinn nach Zinsen kann nicht einfach in die Schuldentilgung fließen. Irgendwann wollen auch die Aktionäre eine Dividende sehen. Es bleibt also immer weniger für die Schuldentilgung.

Aber gehen wir davon aus, dass die Commerzbank aufgrund der sehr guten Konjunkturentwicklung in 5 Jahren alle Staatsschulden getilgt hat. Dann besitzt der Staat immer noch die direkte Beteiligung, die gut 25% der Commerzbank-Aktien. Der Staat wird dann ein riesiges Aktienpaket verkaufen. Auch das ist kein schöner Gedanke für die privaten Commerzbank-Aktionäre.

Der „Retter“: Eine internationale Großbank

Im Prinzip sehe ich nur eine Lösung, wie die Commerzbank die Staatshilfe relativ schnell zurückzahlen kann und auch die vom Staat gehaltenen Aktien „kursschonend“ umgeschichtet werden können: Eine internationale Bank übernimmt die Commerzbank, begleicht die Schulden und kauft dem Staat die Aktien ab.

Wenn eine finanzkräftige Großbank aus dem Ausland (aus China?) unbedingt den deutschen Markt erobern möchte, wäre das eine Option. Wenn dagegen die Commerzbank die Schulden beim Staat aus eigener Kraft zurückzahlt, kann die CoBa-Aktie noch über Jahre eine „lahme Ente“ bleiben.

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Stada: Der letzte Joker im deutschen Generika-Markt

Rolf Morrien ist Chefredakteur des Morrien's Power-Depots.

Auf dem Generika-Markt in Deutschland gibt es nur noch einen Konzern, der bislang keinem Großkonkurrenten angehört: Stada. Wie lange noch?


Bis zum späten Nachmittag dominierte der große Verfallstag an den Terminbörsen („Hexensabbat“) das Geschehen an der Börse. Der DAX zuckte zwischen 6.010 und 6.040 Punkten hin und her, weiß Rolf Morrien von den Märkten zu berichten. Stabil blieb auch die Aktie von Stada - Übernahmegerüchten zum Trotz.

Doch dann wurde plötzlich wieder die „Griechenland-Karte“ ausgespielt und der DAX sackte unter die Marke von 6.000 Punkten. Ob es echte Gründe für eine Verschärfung der Krise gibt, oder ob nur ein paar Zocker den Aktienmarkt mit gezielten Gerüchten nach unten getrieben haben, ist schwer zu beurteilen.

Ich bleibe aber bei meiner Einschätzung: Die EU wird Griechenland auf jeden Fall stützen.

Nur noch ein Generika-Hersteller auf der Kauf-Liste

Zu den Werten, die sich heute am deutschen Aktienmarkt sehr stabil präsentieren, gehört die Stada-Aktie. Stada hat keine neuen Nachrichten veröffentlicht, steht aber dennoch im Zentrum einer spannenden Diskussion.

Hintergrund: Nach dem Verkauf des Konkurrenten Ratiopharm ist jetzt Stada der letzte große deutsche Generika-Hersteller, der noch nicht zu einem Großkonzern gehört. Da die kostengünstigen Nachahmermedikamente (=Generika) zu den großen Gewinnern der Gesundheitsreformen gehören, gilt dieses Pharma-Segment als sehr lukrativ. Und Deutschland ist der entscheidende Schlüsselmarkt in Europa.

Da Hexal von Novartis und Ratiopharm von Teva aufgekauft wurden, bleibt nur noch Stada als „Joker“ im deutschen Generika-Markt. Aber auch dieser „Joker“ dürfte bald aus dem Übernahme-Spiel genommen werden. Entscheidend ist aber die Frage, welcher Preis gezahlt wird.

Merckle ist der glückliche Gewinne im Übernahme-Poker

Werfen wir daher einen Blick auf die Ratiopharm-Übernahme durch den Generika-Weltmarktführer Teva aus Israel. Teva zahlt 3,625 Mrd. Euro an die Altbesitzer. Mit diesem Preis konnte Teva die Konkurrenten Pfizer und Actavis deutlich abhängen.

Großer Gewinner im Wettbieten ist die hoch verschuldete Merckle-Gruppe, die schlagartig fast alle Finanzprobleme lösen kann. Da die Erwartungen nur bei rund 3 Mrd. Euro lagen, sind jetzt wahrscheinlich keine weiteren Notverkäufe mehr notwendig. Die Familie Merckle wird damit weiterhin ein gewichtiges Wort in der deutschen Wirtschaft mitreden.

Trotz der bekannten Notsituation des Verkäufers hat Teva mit 3,625 Mrd. Euro einen „strategischen“ Aufpreis gezahlt. Das ist fast das 12-fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA).

Großer Bewertungsunterschied zwischen Ratiopharm und Stada

An dieser Stelle kommt Stada wieder ins Spiel. Ratiopharm und Stada spielen von der Größenordnung her in der gleichen Liga. Ratiopharm hat 2009 ein EBITDA von 307 Mio. Euro erzielt, Stada kam auf 280 Mio. Euro.

Nicht in der gleichen Größenordnung liegt aber der Unternehmenswert: Während Ratiopharm für 3,625 Mrd. Euro den Besitzer wechselt, kostet Stada an der Börse aktuell „nur“ 1,7 Mrd. Euro.

Natürlich müssen noch die Schulden von Stada mit einkalkuliert werden, aber gemessen am Ratiopharm-Deal ist die Stada-Aktie mindestens 50% unterbewertet.

Verlierer Pfizer muss fast bieten

Die Frage ist jetzt: Kommt es zu einer Übernahme? Da es 3 offizielle Gebote für Ratiopharm gab, sind 2 Bieter leer ausgegangen. Besonders für Pfizer war das eine bittere Niederlage, da der weltweit größte Pharma-Konzern dringend ein Standbein in Europa sucht.

Entscheidend wird daher sein, ob auch Actavis (oder neue Kandidaten aus der Pharma-Branche) in den Kampf um Stada mit einsteigen. Wenn es zu einem Wettbieten kommt, dürfte das Bewertungsniveau wieder ähnlich hoch sein wie bei Ratiopharm.

Denn: Wenn Stada vom Markt ist, gibt es keine weitere Eintrittskarte für den deutschen Markt.

Kursziel von bis zu 50 Euro gerechtfertigt

Für die Stada-Aktie gibt es daher aktuell 2 „faire“ Kurse: Ohne Übernahme-Phantasie ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau von 30 Euro und einem KGV von 15 angemessen bewertet.

Sollte es zu einem Übernahmekampf kommen, liegt das Kursziel auf Basis des Ratiopharm-Deals bei rund 50 Euro. 50 Euro war auch der Spitzenpreis, der für die Stada-Aktie vor einigen Jahren schon bezahlt wurde, als es in der Generika-Branche mehrere spektakuläre Übernahmen gab.

 
 
 

Amadeus Fire: Kurssprung nach Dividendenerhöhung

Rolf Morrien kennt sich aus an den Märkten.

Die Tendenz an den Aktienmärkten wurde auch heute bestätigt: Die europäischen Indizes steigen recht kräftig, während die US-Werte nur zaghaft zulegen. Die Begründung hat Rolf Morrien kürzlich genannt: Nach der „Lösung“ des...



Der DAX schaffte heute endlich den Sprung über die Marke von 6.000 Punkten. Wird diese Marke jetzt schnell und deutlich übertroffen, halte ich sogar einen Durchmarsch bis 7.000 Punkte für möglich. Das heißt: In den nächsten Tagen kann sich bereits entscheiden, ob 2010 ein sehr gutes Aktienjahr wird, oder ob ein Seitwärtstrend wie im Jahr 2004 folgt.


Umsatz und Gewinn wie erwartet

Zu den größten Kursgewinnern gehörte heute in Deutschland die Aktie der Amadeus Fire AG (WKN: 509310). Der Dienstleister für Zeitarbeit und Personalvermittlung hat die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2009 veröffentlicht.
 

Große Überraschungen gab es bei Umsatz und Gewinn nicht. Der Umsatzrückgang um 3% auf 110,7 Mio. Euro und der auf 16,1 Mio. Euro gesunkene Gewinn (Vorjahr 18,1 Mio. Euro) waren auch schon vorab im Februar gemeldet worden. Die Zahlen sind im Branchenvergleich erstklassig, erklären aber nicht den heutigen Kurssprung von über 5%.

1,45 Euro Dividende je Aktie

Auslöser für den Kurssprung war die vorletzte Zeile in der Amadeus-Meldung. Dort wird kommentarlos darauf hingewiesen, dass auf der Hauptversammlung Ende Mai eine Dividendenausschüttung von 1,45 Euro je Aktie vorgeschlagen wird.
 

Das ist die große Überraschung. Im Vorjahr wurden 1,38 Euro ausgeschüttet. Da der Gewinn gesunken ist, hatten Analysten mit einer Kürzung um 20 bis 50% gerechnet. Jetzt soll die Dividende sogar erhöht werden.

Rendite steigt auf über 8%

Bei Kursen um 18 Euro ergibt sich eine üppige Dividenden-Rendite von gut 8%. Wer nicht erst jetzt auf den Zug aufspringt, sondern bereits vor einigen Monaten eine Position aufgebaut hat (die Amadeus-Aktie steht bei meinen Börsendiensten „Der Depot-Optimierer“ und „Morriens Power-Depot“ auf der Empfehlungsliste), kann sich im Mai sogar über zweistellige Renditen freuen.
 

Aber auch die gut 8%, die ein Aktionär erhält, der jetzt erst einsteigt, sind noch sehr attraktiv. Das sehen auch die Investoren so, die heute die Amadeus-Zahlen genauer studiert haben. An normalen Börsentagen wechseln knapp 10.000 Amadeus-Aktien den Besitzer – heute waren es dagegen rund 25.000.
Dividenden-Werte für Langfristinvestoren als „Zins-Ersatz“
 

Die Frage, ob sich jetzt noch ein Einstieg lohnt, hängt von der persönlichen Anlage-Strategie ab. Aktionäre, denen kurzfristige Kursschwankungen relativ egal sind, weil sie auf hohe jährliche Ausschüttungen setzen, können auch jetzt noch zugreifen.
 

Da Amadeus eine grundsolide Eigenkapital-Quote von über 60% besitzt, kann das Unternehmen auch zukünftig regelmäßig einen Großteil des Gewinns ausschütten (das gilt zum Beispiel auch für eine Aktie wie Bijou Brigitte). Bei diesen Werten ist die Dividende eine Art „Zins-Ersatz“.

Trader können kurz nach oder vor der Dividenden-Zahlung einsteigen

Anleger, die gerne sehr dynamisch umschichten, haben bei Amadeus (oder vergleichbaren Dividenden-Werten) 2 interessante Einstiegs-Möglichkeiten: Zum einen nach der Ausschüttung der Dividende. Oft folgt dann nicht nur ein Kursabschlag in Höhe der Dividende, sondern eine kurze Schwächephase, die einige Tage oder Wochen dauern kann. Dann hat man die Chance auf einen möglichst günstigen Einstiegskurs.
 

Zum anderen bietet sich der Einstieg an, wenn die nächste Dividenden-Zahlung langsam in Sichtweite kommt und neue Investoren anlockt. Fallen zum Beispiel die vorläufigen Geschäftszahlen, die im Februar veröffentlicht werden, positiv aus, kann anschließend eine sehr dynamische Kursentwicklung folgen. Kurz vor Zahlung der Dividende bietet sich dann die Gewinnmitnahme an.
 

Wie Sie sehen: Scheinbar „langweilige“ Dividenden-Perlen bieten Tradern und Langfristinvestoren attraktive Gewinn-Strategien.

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Neuer Squeeze-out: Klöckner-Werke AG verschwindet von der Börse

Rolf Morriens kostenloser E-Mail Newsletter, Morriens Schluss Gong

Wie bereits am Freitag geschrieben: Die Bullen sind in diesen Tagen mal wieder daran gescheitert, die DAX-Hürde von 6.000 Punkten zu überwinden. Freitag fehlten in der Spitze nicht einmal 10 Punkte, heute ist der DAX auf gut...


Die Börsenwoche wird aber spannend bleiben. Am Freitag ist „Hexensabbat“, der große Verfallstag an den Terminmärkten. Oft gibt es dann überraschende Kursentwicklungen. Vielleicht treiben die Hexen den DAX über die 6.000-Punkte-Marke.

Salzgitter übernimmt die Klöckner-Werke vollständig

Neue Nachrichten hat der DAX-Konzern Salzgitter veröffentlicht. Der Stahlkonzern will seinen Anteil am Maschinenbauer Klöckner-Werke (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls börsennotierten Stahlhändler Klöckner) von gut 95 auf 100% aufstocken und die vollständige Kontrolle übernehmen.
Das passende „Folterinstrument“, um die die freien Aktionäre aus dem Unternehmen zu drängen, habe ich Ihnen bereits in der vergangenen Woche vorgestellt: Das Squeeze-out-Verfahren. Besitzt ein Großaktionär mindestens 95% der Aktien, kann er auch die restlichen Anteile einkassieren und zahlt dafür im Gegenzug eine Zwangsabfindung.
Die Aktionäre der Klöckner-Werke machen in diesen Tagen nicht das ganz große Geschäft. Die Aktie notiert bei rund 15 Euro, Salzgitter zahlt den Aktionären aber nur 14,33 Euro je Aktie.

Die Pokerpartie um den „fairen“ Preis hat erst begonnen

Aber wie in der vergangenen Woche geschrieben: Das ist erst die erste Runde in der Pokerpartie. Es wird mit Sicherheit Klagen gegen den Übernahmepreis geben. Dann kann sich Salzgitter überlegen, ob eine freiwillige Aufstockung erfolgt, oder ob der Preis von unabhängigen Prüfern festgelegt wird. Das kann dann aber Jahre dauern.
Bei einem Squeeze-out-Verfahren kommt es also auch immer darauf an, ob der Großaktionär möglichst günstig die Kontrolle erlangen will und dafür im Gegenzug ein mehrjähriges Verfahren riskiert, das Kräfte im Management bindet, oder ob ein großzügiges Angebot erfolgt, um das Kapitel schnell abzuschließen und um teure Überraschungen bei der Überprüfung der Zwangsabfindung zu vermeiden.
Die Aktionäre der Klöckner-Werke sollen mit einem Preis unter dem aktuellen Kurs abgefunden werden. Das deutet auf einen längeren Kampf hin. Wer aber seit mehreren Jahren Klöckner-Aktionär ist, dürfte dennoch recht dankbar über den Einstieg von Salzgitter sein.

Übernahme verhindert Absturz des Aktien-Kurses

Als Salzgitter im Frühjahr 2007 knapp 80% der Klöckner-Aktien kaufte, sprang der Kurs von 11 auf 15 Euro. Ab Mitte 2007 setzte dann der Aktien-Crash ein. Während andere Maschinenbau-Aktien um 50 oder sogar 90% einbrachen, pendelte die Aktie der Klöckner-Werke relativ konstant um die Marke von 15 Euro. Die Aktie „verpasste“ den gesamten Crash.
Heute wissen wir auch warum: Der Großaktionär Salzgitter hat in den vergangenen Jahren den Anteil langsam von 78 auf 95% aufgestockt. Da die Aktien ständig aufgesammelt wurden, konnte auch kein Verkaufsdruck entstehen.

Börsengeschichte vorbei, Preisverhandlungen noch lange nicht

Ohne diese Aufstockung wäre auch diese Maschinenbau-Aktie abgestürzt. Die Verlustjahre in der schweren Branchenkrise hätten Spuren hinterlassen. Das wird die restlichen freien Klöckner-Aktionäre jedoch kaum interessieren. Sie werden darauf verweisen, dass die Substanz des Unternehmens viel mehr wert ist als die jetzt gebotenen 14,33 Euro je Aktie.
Das heißt: Die Aktie der Klöckner-Werke AG wird schon bald vom Kurszettel der Börse verschwinden. Der Kampf um den „fairen“ Wert wird aber noch einige Jahre die Gerichte beschäftigen. Es sei denn, Salzgitter macht freiwillig die Kasse auf und zahlt etwas mehr „Trennungsgeld“.

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Aktienmärkte orientierungslos: Nutzen Sie Sondersituationen wie Squeeze Out

Die europäischen Aktienmärkte lagen am letzten Handelstag der Woche lange Zeit deutlich im Plus. Mit einem Tageshoch von 5.989 Punkten scheiterte der DAX nur ganz knapp an der 6.000-Punkte-Marke.


Die europäischen Aktienmärkte lagen am letzten Handelstag der Woche lange Zeit deutlich im Plus. Mit einem Tageshoch von 5.989 Punkten scheiterte der DAX nur ganz knapp an der 6.000-Punkte-Marke.
Doch am Nachmittag nahmen die Investoren die Gewinne mit und drückten die Kurse wieder Richtung Vortagesniveau. Auslöser für die Verkaufswelle waren schwache Konjunkturdaten aus den USA. Einige Anleger zeigten sich überrascht, dass das Konsumklima leicht von 73,6 auf 72,5 Punkte gesunken ist.
Ich frage mich: Woher sollte der Optimismus der US-Konsumenten kommen? Bei einer offiziellen Arbeitslosenquote von knapp 10% und inoffiziell rund 17% wäre eine Partystimmung sehr verwunderlich. Da die Aktienmärkte aktuell keinen klaren Trend vorgeben, können Sie sich stärker auf Sondersituationen wie Squeeze-Out-Verfahren konzentrieren.   

Allianz und Münchener Rück machen es vor

Bereits vorgestern hatte ich hier im Schlussgong über die Veränderungen in der deutschen Finanzbranche geschrieben. Die Allianz und auch die Münchener Rück nutzen die Finanzkrise, um die Strukturen zu vereinfachen und nehmen börsennotierte Tochtergesellschaften wie Allianz Leben und jetzt ganz aktuell Ergo vom Kurszettel.
Ich habe bei dieser Gelegenheit auch von einem „Squeeze Out“ gesprochen. Da mich gleich mehrere Schlussgong-Leser um genauere Informationen hierzu gebeten haben, möchte ich Ihnen heute eine kurze Erklärung dazu liefern.

Das „Herausquetschen“ der Aktionäre

„Squeeze Out“ bezeichnet den Ausschluss von Minderheitsaktionären. Falls ein Investor mindestens 95% der Aktien eines Unternehmens besitzt, kann er von den verbliebenen Anteilseignern die restlichen Aktien verlangen. Egal, ob ein Aktionär verkaufen will oder nicht – seine Aktien werden eingezogen. Als Gegenleistung muss der Großinvestor eine „angemessene“ Entschädigung zahlen.
Die Münchener Rück hatte vor der Einleitung des Squeeze-Out-Verfahrens bereits über 99% der Aktien der Ergo Gruppe in ihrem Besitz. Jetzt will die Münchener Rück auf 100% aufstocken, um die Ergo Gruppe in den Mutterkonzern einbauen zu können und um Kosten zu sparen.
Aktionäre gewinnen fast immer
Squeeze Out und auch der deutsche Ausdruck „Herausquetschen“ klingen etwas brutal, aber das Geschäft lohnt sich fast immer für die Aktionäre: Oft wird der maximale Gewinn in 3 Etappen erreicht:
Gewinnstufe 1: Übernahmeangebot
Beim ersten Übernahmeangebot bietet der Großaktionär erfahrungsgemäß einen Aufschlag von rund 30% auf den aktuellen Aktienkurs.
Gewinnstufe 2: Großaktionär treibt durch die Nachfrage den Kurs
Reicht das erste Angebot nicht, um auf 95% zu kommen, sammelt der Großaktionär weitere Aktien am Markt ein und treibt den Kurs noch weiter nach oben. Das ist die zweite Gewinnstufe. Hat der Großaktionär die 95%-Schwelle erreicht, kann er das Squeeze-Out-Verfahren einleiten und muss ein neues Angebot vorlegen. Das fällt oft relativ bescheiden aus, ist aber auch nur das erste Angebot in der „Pokerrunde“. Da im Gesetzestext von einer „angemessenen“ Entschädigung gesprochen wird, ist klar, dass Käufer und Verkäufer verschiedene Ansichten vertreten. Das Mindestgebot der Entschädigung ist der 3 Monats-Durchschnittskurs vor Bekanntgabe des Squeeze Outs.
Gewinnstufe 3: Nachbesserung
Nach dem Squeeze Out gibt es fast immer Klagen gegen den Zwangsausschluss. Entweder entscheidet dann ein gerichtliches Gutachten, oder aber die Verhandlungsparteien einigen sich vorher. Sehr oft erfolgt eine Nachzahlung. Auch hier gibt es einen Erfahrungswert: Die am Ende gezahlte Summe liegt meistens 20 bis 50% über dem Squeeze-Out-Angebot.
Das bedeutet: Oft kann sich auch ein Einstieg noch nach der Bekanntgabe des Squeeze Out lohnen. Sie brauchen nur Geduld, da ein durchschnittliches Squeeze-Out-Verfahren bis zur letzten Einigung mehrere Jahre dauern kann. Erfolgt dann jedoch die Nachbesserung, muss der Großaktionär für den Zeitraum vom Squeeze Out bis zur Einigung üppige Zinsen zahlen.
Musterfall FAG Kugelfischer brachte fast 100% Gewinn
Ein Beispiel, wie ein abgeschlossenes Squeeze-Out-Verfahren aussehen kann, ist der ehemalige MDax-Wert FAG Kugelfischer
Die Aktie der FAG Kugelfischer AG notierte vor der Bekanntgabe des Übernahmeangebots durch die Schaeffler Gruppe bei knapp 8 Euro. Es folgte ein kräftiger Kurssprung von 50%. Nach einer Erhöhung des offiziellen Angebots auf 12 Euro wurde das Squeeze-Out-Verfahren vollzogen. Die FAG-Aktionäre mussten ihre Aktien für 12 Euro abgeben – und hatten damit seit Beginn des Übernahmeversuchs bereits über 50% gewonnen.
Viele der Aktionäre gaben sich aber damit noch nicht zufrieden und klagten. Nach Beendigung des Abfindungsprozesses  wurde das Angebot für alle vom Squeeze Out betroffenen Aktionäre schließlich noch einmal um 25% auf 15 Euro angehoben.
Attraktive Gewinn-Chancen – geringe Risiken
Wer also vor der Übernahme Aktien der FAG Kugelfischer AG besaß, hat sein Geld am Ende fast verdoppelt. Die Anlage-Chance bei Squeeze-Out-Aktien: Die möglichen Gewinne sind attraktiv und gleichzeitig gibt es fast kein Kurs-Risiko mehr, da der Großaktionär die Aktien, die an der Börse angeboten werden, aufsammelt und damit selbst in Crash-Phasen einen stärkeren Abgabedruck verhindert.

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Die süße Versuchung: 7 bis 8% Dividenden-Rendite mit Telekom-Aktien

Hohe Dividendenrendite lockt

Die Spinnen, die Märkte, möchte man mit Asterix sagen. Was aber hält ein Experte davon? Rolf Morrien klärt auf.


Auslöser für den letzten Kurssprung war erneut das leidige Thema Griechenland. Am späten Nachmittag wurde in einigen Medien berichtet, dass einige EU-Staaten – darunter auch Deutschland – Griechenland finanziell unterstützen, indem sie griechische Staatsanleihen erwerben.

Das wäre für mich keine Überraschung. Bereits gestern schrieb ich hier im Schlussgong, dass die EU Griechenland direkt oder indirekt stützen wird. Das Projekt „Euro“ wird nicht so schnell beerdigt. Daher gilt auch noch mein Hinweis von gestern: Griechische Staatsanleihen können für Zins-Jäger sehr spannend werden.

Telekom-Aktien als „Zins-Ersatz“

Telekom-Aktien gehören seit 2000 zu den größten Verlierern an der Börse. Zur Erinnerung: Die Aktie der Deutschen Telekom hat vor 10 Jahren rund 100 Euro gekostet. Heute schafft die T-Aktie an guten Tagen die 10-Euro-Marke.
 

Da die Branche nur in wenigen aufstrebenden Märkten noch auf Wachstum setzen kann, fehlt eine neue Geschäftsidee. Einige Telekom-Konzerne scheinen jetzt eine Nische gefunden zu haben: Sie bieten sich als Alternative für festverzinsliche Anleihen an.

Versicherungen und Pensionsfonds leiden unter einem Anlage-Notstand

Wie mehrfach geschildert, herrscht ein Anlage-Notstand. Lebensversicherungen oder auch Pensionsfonds brauchen für ihre Kapitalanlagen im Durchschnitt mindestens 4 bis 5% Rendite.

Solide Staatsanleihen mit AAA-Rating bieten aber bereits seit längerer Zeit nur 2 bis 4%. Kurzfristig können die Versicherungen die geringe Verzinsung akzeptieren, da es im Bestand auch noch Anleihen mit höheren Zins-Kupons gibt.

Monat für Monat werden aber Anleihen mit hohen Zins-Kupons fällig. Das Kapital muss neu investiert werden. Die Anleger haben daher auf die Zins-Wende im laufenden Jahr gesetzt.

Die jüngsten Reden von US-Notenbankchef Ben Bernanke deuten jedoch darauf hin, dass die Null-Zins-Politik noch über einen langen Zeitraum verteidigt wird. Sollte sich dieser Trend bestätigen, müssen die Versicherungen und Pensionsfonds neue Anlagemöglichkeiten mit höheren Renditen suchen.

Telekom-Werte locken mit 7 bis 8% Rendite

Und genau hier kommen die Telekom-Werte ins Spiel. Fast zeitgleich veröffentlichten in den vergangenen Tagen die Deutsche Telekom und die Telekom Austria eine „Dividenden-Garantie“. 

Die Deutsche Telekom schüttet in diesem Jahr 0,78 Euro je Aktie aus und garantiert in den 3 Folgejahren eine Ausschüttung von mindestens 0,70 Euro je Aktie. Bei Kursen knapp unter 10 Euro liegt die Rendite bei 7 bis 8% pro Jahr.

Auf fast identische Werte kommt die Telekom Austria. Auch diese Aktie notiert knapp unter der 10-Euro-Grenze. Im laufenden Jahr werden 0,75 Euro je Aktie ausgeschüttet. Dieser Wert soll in den nächsten Jahren mindestens verteidigt werden. Die Dividenden-Rendite liegt hier voraussichtlich bei 7,5 bis 8,0%.

Auch der Finanzminister freut sich

Ein „Gewinner“ ist die Staatskasse. Die Finanzminister aus Deutschland und Österreich können in den nächsten Jahren mit festen Einnahmen planen. Gut möglich, dass hinter der „Dividenden-Garantie“ auch ein gewisser politischer Druck stand.

Die Botschaft richtet sich aber auch ganz klar an die Versicherungen und Pensionsfonds: Wenn ihr Telekom-Aktien kauft, könnt ihr die Niedrig-Zins-Phase mit hohen Dividenden-Renditen überstehen.

Die Strategie ist daher klar, wenn auch nicht ganz ungefährlich: Die hohen Dividenden sollen die Investoren anlocken, die unter dem Anlage-Notstand leiden. Hohe Dividenden als Zins-Ersatz.

Unternehmen verzichten auf Wachstum, aber auch auf teure Fehlentscheidungen

Allerdings ist der Preis hoch: Die Telekom-Konzerne verzichten auf den finanziellen Spielraum. Wachstumsinvestitionen sind kaum noch möglich. Die Telekom-Konzerne mit Dividenden-Garantie werden nur noch versuchen, Umsatz und Gewinn stabil zu halten.

Auf der anderen Seite: In kaum einer anderen Branche wurde so viel Geld „verbrannt“. Viele Übernahmen und Investitionen wurden zum Milliardengrab. In einigen Fällen ist es sogar besser, wenn die Aktionäre das Geld in Form von Dividenden bekommen.

7 bis 8% Rendite pro Jahr sind in diesen Zeiten nicht zu verachten. Am Jahresende werden die Telekom-Werte in den Performance-Listen mit diesen Renditen sicherlich nicht am Tabellenende stehen.

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Staatsanleihe Griechenland: Langsam lockt der Einstieg

Mit Rolf Morrien's Schlussgong: immer informiert über die Entwicklungen in Übersee.

Die Griechenland Krise hat die EU schwer getroffen. Doch langam lockt wieder der Einstieg in griechische Staatsanleihen.


An den Aktienmärkten geht es kräftig nach unten. Die Indizes in Europa starteten freundlich, wurden dann aber am Nachmittag gleich doppelt in die Zange genommen und verloren rund 1,5%.

Ein Dämpfer kam erneut vom amerikanischen Arbeitsmarkt. So stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 22.000 auf 496.000. Die Prognosen der Volkswirte lagen dagegen bei „nur“ 460.000. Die Hoffnungen auf eine leichte Verbesserung wurden zerstört.  

Ein zusätzlicher Belastungsfaktor war das Thema „Griechenland-Krise“. Die Rating-Agenturen Moody’s und Standard & Poor’s haben angekündigt, eine weitere Herabstufung der griechischen Schulden zu prüfen. Schon jetzt besitzen die griechischen Staatsanleihen kein A-Rating mehr, sondern nur noch die Note „BBB+“.  

Die Drohung der Rating-Agenturen sorgte mal wieder für eine kleine Panik an den Devisen-, Aktien- und Anleihemärkten. Dabei gilt: Ein schwacher Euro ist eine unerhoffte Hilfe für die Export-Werte aus dem Euro-Raum

Anleihen bieten bereits 6,5% Rendite  

Betrachten wir nicht nur die Anlage-Chancen im Aktienbereich, die sich durch die Euro-Schwäche ergeben. Interessant ist auch der Anleihenmarkt. Die griechischen Staatsanleihen stehen seit Monaten unter Druck.

Durch die Kursverluste bieten griechische Staatsanleihen mit Laufzeiten von rund 2 Jahren bereits 6% Rendite pro Jahr. Mittlere Laufzeiten mit Fälligkeit im Jahr 2015 werfen teilweise über 6,5% ab.

Nächster Kursrutsch kann das Einstiegssignal in Staatsanleihen Griechenlands sein

6,5% sind in der aktuellen Niedrig-Zins-Phase attraktiv, aber es kann noch besser werden. Setzen die Rating-Agenturen ihre Drohungen um und senken die Noten erneut, ist ein weiterer Kursrutsch bei den griechischen Staatsanleihen zu erwarten. Dann sind Renditen von über 7% möglich.

Eine Senkung der Rating-Note zeigt natürlich im Gegenzug auch an, dass aus Sicht der Rating-Agenturen das Risiko gestiegen ist. Die Ereignisse der Finanzkrise zeigen jedoch, dass die Rating-Agenturen fast immer zu spät reagieren und die Noten erst dann senken, wenn der Tiefpunkt schon erreicht wurde.

Eine Herabstufung muss daher nicht tatsächlich bedeuten, dass das Risiko größer ist als vor 4 Wochen. 

Die Entscheidungsträger können sich auf die Krise vorbereiten

Die größten Fehler werden gemacht, wenn Marktteilnehmer unter Zeitdruck stehen. Die „Griechenland-Krise“ beschäftigt jetzt aber bereits seit Monaten die Märkte. Aus meiner Sicht ist klar: Innerhalb der EU wird mit Hochdruck daran gearbeitet, offene und versteckte Hilfspakete für Griechenland zu schnüren.

Die EU hat kein Interesse daran, dass ein Land ausscheidet und einen Dominoeffekt auslöst. Umgekehrt könnte Griechenland eine eigene Währung abwerten und dadurch den Druck lindern, aber wer leiht Griechenland dann noch Geld und wie hoch müssten die Zins-Renditen sein?

Wenn die griechischen Politiker in Ruhe die Modelle durchrechnen, werden sie auf die Lösung kommen, dass nur die EU-Mitgliedschaft die Versorgung mit neuen Krediten sichert.

Fazit: Noch kommt der Einstieg in griechische Staatsanleihen zu früh, aber innerhalb der nächsten 3 Monate könnten sich spekulative Einstiegs-Chancen ergeben. 

 
 
 

Goldpreis erreicht heute Allzeithoch von 817 Euro je Unze

Gold: Neues Rekordhoch auf Euro-Basis

Die Börsen schließen heute mit kräfitgen Gewinnen. Der Goldpreis steigt rapide an und erreicht ein Allzeithoch von 817€ je Unze.


An den Börsen geht es heute kräftig nach oben. Vor allem der Goldpreis schoss in die Höhe und erreichte ein neues Allzeithoch.

Es scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass die Panik rund um die „Griechenland-Krise“ doch etwas übertrieben war. Die „Erleichterungsrally“ treibt die Aktienkurse in den USA und in Europa rund 1% in die Höhe.

Auch der Euro erholt sich vom Griechenland-Schock. 1 Euro kostet jetzt schon wieder 1,375 USD. Als Reaktion auf die USD-Schwäche legen die Rohstoff- und Edelmetallpreise deutlich zu.

Gold: Neues Rekordhoch auf Euro-Basis

Der Goldpreis hat heute die Marke von 1.100 USD je Unze mit Schwung übertroffen. Damit notiert das Edelmetall nur noch rund 100 USD unter dem Allzeithoch. Noch besser sieht es für Gold-Investoren in Europa aus.

Auf Euro-Basis wurde heute ein neues Allzeithoch erreicht: Zum ersten Mal in der Geschichte der Gemeinschaftswährung mussten mehr als 817 Euro für eine Unze Gold gezahlt werden.

Drei Gründe treiben den Goldpreis

Gleich drei Gründe treiben in diesen Tagen den Goldpreis: Kurzfristiger Preistreiber war heute die USD-Schwäche. Es gilt fast immer die Regel: Fällt der USD, dann steigt der Goldpreis. Heute war Gold wieder das ideale Gegengewicht zur US-Währung.

Hinzu kommen zwei strategische Gründe, die langfristig für Gold sprechen: Zum einen zeigen Länder wie Island oder Griechenland, dass auch in Europa ein Staatsbankrott zumindest denkbar ist. Fällt ein Staat, kann das leicht eine Kettenreaktion auslösen. Eskaliert die Lage, ist Gold sicherlich mit das beste Instrument, um das private Vermögen zu schützen.

Zum anderen wächst die Erkenntnis, dass die ausufernde Staatsverschuldung praktisch nur noch mit der Gelddruckmaschine finanziert werden kann. Das führt fast zwangsläufig zu steigenden Inflationsraten.

Wobei ich kurzfristig nicht an eine Hyperinflation glaube. Panik ist also der falsche Ratgeber. Dennoch: In Inflationsphasen gehört Gold ebenfalls ins Depot.

Silber: Im Windschatten von Gold noch mehr Potenzial

Der heutige Goldpreis-Anstieg hat auch den Silberpreis beflügelt, der sogar überproportional zulegen konnte. Allerdings: In der Schwächephase zu Beginn des Jahres hatte Silber auch überdurchschnittlich verloren.

Auch das passt ganz gut in das Bild: Silber ist seit einigen Jahren fast eine Art Hebel-Instrument auf den Goldpreis. Früher, als Gold und Silber auch noch Funktionen im Währungssystem hatten, gab es relativ feste Relationen zwischen dem Silber- und dem Goldpreis.

Das hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten geändert. Der Silberpreis orientiert sich in der Grundrichtung noch immer am Goldpreis, zusätzlich jedoch auch an den Preisen für Industriemetalle.

Da Silber sehr viele nützliche Eigenschaften hat, wird es in der Technologie- und Medizinbranche oft eingesetzt. Läuft die Konjunktur gut, wird mehr Silber verbraucht.

Silber: Das Edelmetall für die Trader

Die Berechnung des „fairen“ Silberpreises ist durch die Doppelfunktion Edelmetall/Industriemetall schwieriger geworden. Allerdings: Wenn Silber einen Aufwärts- oder Abwärtstrend gestartet hat, folgt oft eine sehr starke Bewegung. Für Trader ist Silber daher attraktiver als Gold.

 
 
 

Griechische CDS: Weitere Milliardenbelastungen für das Krisenland

Rolf Morrien glaubt, dass Kreditausfallversicherungen von Spekulanten als „Zocker-Instrument“ missbraucht wurden.

Schlusgong Chefredakteur Rolf Morrien glaubt, dass Kreditausfallversicherungen von Spekulanten als „Zocker-Instrument“ missbraucht werden.


Hinter uns liegt ein sehr ruhiger Börsentag zum Wochenauftakt. Da in den USA heute aufgrund eines Feiertags nicht gehandelt wird, fehlten auch in Europa die Impulse. Nach dem Schlussgong notierten die meisten Indizes knapp im Plus.
Tagessieger im DAX wurde die K+S-Aktie.

Der Grund: In der Düngemittel-Branche startet die nächste Übernahmewelle. Der K+S-Konkurrent Yara aus Norwegen will den US-Düngemittelanbieter Terra Industries für 4,1 Mrd. USD übernehmen. Yara bietet eine Übernahmeprämie von 24% auf den Schlusskurs von Freitag. Solche Deals beflügeln auch andere Werte aus der Branche.

 

CDS-Markt: Spekulanten haben Ende Januar zugeschlagen

Da die Aktienmärkte heute ruhig waren, können wir noch einmal einen Blick auf die Problematik rund um die griechischen Staatsanleihen werfen. Bereits am Donnerstag habe ich hier im Schlussgong die Meinung vertreten, dass die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps = CDS) von Spekulanten als „Zocker-Instrument“ missbraucht wurden.

Diese Einschätzung hat sich nach der Auswertung der neuesten Marktdaten noch verstärkt. Die Daten der Depository Trust & Clearing Corporation zeigen, dass sich das Volumen neuer CDS-Kontrakte auf griechische Staatsanleihen in der letzten Januarwoche verdreifacht hat. Wenige Tage später normalisierte sich das Volumen wieder.

Diese extremen Ausschläge sprechen dafür, dass die CDS nicht erworben wurden, um bestehende Anleihe-Positionen abzusichern, sondern um mit der Angst vor einer Griechenland-Pleite zu „spielen“ und damit Geld zu verdienen.

CDS-Prämien beeinflussen auch den Anleihenmarkt

Da es bei den CDS-Kontrakten „nur“ um ein Volumen von rund 6 Mrd. USD geht und das im Vergleich zu den ausstehenden Griechenland-Schulden in Höhe von rund 300 Mrd. Euro kaum ins Gewicht fällt, könnte man den CDS-Markt als kleinen Zocker-Markt vernachlässigen.

Doch das Problem geht viel tiefer: Die Prämien für die CDS-Absicherungen (Kreditausfallversicherungen) beeinflussen auch den Anleihen-Markt. Explodieren die Kosten für die Kreditausfallversicherungen, verlangen die Investoren fast automatisch am Anleihen-Markt höhere Renditen.

So muss Griechenland für neue Staatsanleihen rund 6% Zinsen pro Jahr bieten, um sie am Markt platzieren können. Ohne die Zockereien am CDS-Markt könnte die Zinsbelastung für Griechenland deutlich niedriger liegen.

Rendite-Unterschied zwischen Griechenland und Portugal viel zu hoch

Einen Hinweis bietet der ähnlich angeschlagene EU-Staat Portugal. Eine Staatsanleihe aus Portugal mit Laufzeitende 2019 wirft aktuell 4,5% Rendite ab. Eine griechische Staatsanleihe mit ähnlicher Laufzeit bringt gut 6%.

Das Rating von Portugal ist etwas besser, aber zwischen 4,5 und 6% Rendite liegen Welten. Entweder werfen die Anleihen aus Portugal zu wenig Rendite ab, oder die Anleihen aus Griechenland werfen zu viel Rendite ab. Die Relationen passen einfach nicht. Auslöser für diesen Renditeunterschied dürfte der CDS-Markt sein.

Mehrbelastung in Milliardenhöhe: Die Zockerei muss beendet werden

Und jetzt können wir rechnen: Was kostet es dem griechischen Staat (Steuerzahler), wenn die Schulden in den nächsten Jahren mit 6% refinanziert werden müssen (statt zum Beispiel mit 4,5%)? Das ergibt schon nach relativ kurzer Zeit Mehrbelastungen in Milliardenhöhe. Genau das kann die griechische Staatskasse aktuell nicht gebrauchen.

Daher kann ich meine Forderung nur wiederholen: Nur die Investoren sollten Kreditausfallversicherungen erwerben dürfen, die auch tatsächliche diese Kredite (Anleihen) im Portfolio haben.

Es darf nicht sein, dass ein Schuldner in der Krise noch zusätzlich belastet wird. Der Fall Griechenland ist ja nur ein Beispiel. Im Prinzip kann es jeden Schuldner treffen, wenn die CDS-Zocker die Prämien in die Höhe treiben.   

 
 
 

Griechenland-Krise: Das große Geschäft mit den Kreditausfallversicherungen

Rolf Morrien wirft einen besorgten Blick nach Griechenland.

Die europäischen Indizes stehen heute auf der Verliererseite: Zwar hat sich die EU mittlerweile entschieden, Griechenland zu unterstützen, aber das wie blieben die Staatschefs schuldig, erläutert Rolf Morrien


Die Aktienmärkte präsentieren sich heute uneinheitlich: Die europäischen Indizes stehen größtenteils auf der Verliererseite, an der Wall Street in New York gibt es dagegen wesentlich mehr Pluszeichen.
Auslöser dieser gegensätzlichen Entwicklung ist erneut die „Griechenland-Krise“. Heute wurde beschlossen: Die EU will Griechenland unterstützen, aber nicht direkt mit einer Finanzspritze. Wie die Hilfe konkret aussehen soll, blieb unklar.
Euro wieder unter Druck
Der Markt hatte dagegen auf konkrete Zusagen gehofft. Als der Rettungsplan ausblieb, sackte der Wert des Euro deutlich ab. Mussten am Devisenmarkt zunächst 1,375 USD je Euro gezahlt werden, sank dieser Wert am Nachmittag auf 1,36 USD je Euro.
Die Investoren flüchteten jedoch nicht nur aus dem Euro, auch Aktien aus dem Euro-Raum wurden verkauft. Erst die positive Entwicklung in den USA sorgte für eine Begrenzung der Kursabschläge.
Wie explosiv ist das Pulverfass Griechenland?
Seit Tagen dreht sich die Börse fast ausschließlich um die „Griechenland-Krise“. Wie stark ausgeprägt diese Krise ist, wird an den Märkten sehr unterschiedlich bewertet. Die Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps = CDS) auf griechische Staatsanleihen sind seit Jahresbeginn förmlich explodiert. Das riecht fast schon nach Bankrott.
Werfen wir dann aber auch noch einen Blick auf die an der Börse gehandelten griechischen Staatsschulden. Eine griechische Staatsanleihe mit einer Restlaufzeit von knapp 10 Jahren wirft eine Rendite von 5,9% ab. Im Vergleich zu einer deutschen Staatsanleihe, die bei ähnlicher Laufzeit 3,2% pro Jahr abwirft, ist das ein gewaltiger Aufschlag.
Dennoch stellt sich die Frage: Warum geben sich die Käufer der Staatsanleihen mit weniger als 6% Rendite zufrieden, wenn doch angeblich ein Staatsbankrott droht? Die Antwort: Die Mehrzahl der Marktteilnehmer im Anleihensegment sieht erhöhte Risiken, jedoch keine Crash-Gefahr.
Die Kreditausfallversicherungen laden zur Manipulation ein
Wie lässt sich die unterschiedliche Bewertung der Krise am CDS-Markt und am Anleihen-Markt erklären?
Um eine Antwort geben zu können, müssen wir zunächst auf die Historie der CDS schauen: Die Kreditausfallversicherungen wurden gegründet, damit sich die Besitzer von Anleihen gegen Zahlungsausfälle absichern können. Das ist wie eine Feuerversicherung: Wenn das Haus abbrennt (die Anleihen im Portfolio), dann zahlt die Versicherung. Für diesen Versicherungsschutz zahlt man natürlich eine Prämie.
Die Grundidee ist also sehr sinnvoll. Das Vermögen soll abgesichert werden. Seit einigen Jahren gibt es jedoch eine neue Entwicklung: Nicht nur die Besitzer der Anleihen nutzen die Kreditausfallversicherungen, sondern verstärkt Investoren wie Hedge-Fonds, die keine Anleihen im Portfolio halten, sondern nur auf mögliche Zahlungsausfälle von Schuldnern wetten möchten. Aus einem Absicherungsinstrument ist eine Spekulanten-Wette geworden.
Die Versicherung in den falschen Händen
Und jetzt noch einmal das Bild von oben: Die Kreditausfallversicherung ist im Prinzip eine Art Feuerversicherung. Was passiert aber, wenn nicht Sie persönlich als Hausbesitzer eine Feuerversicherung abschließen, sondern eine fremde Person eine solche Versicherung abschließt und zum großen Gewinner wird, wenn Ihr Haus bis auf die Grundmauern abbrennt? Ich würde dann als Hausbesitzer sehr schlecht schlafen und müsste immer damit rechnen, dass eine fremde Person mein Haus abfackelt, um dann die dicke Prämie zu kassieren.
Daher stellt sich jetzt die Frage: Sind die Preise für die Kreditausfallversicherungen so stark gestiegen, weil sich die Besitzer der Griechenland-Anleihen absichern wollen, oder sind die Preise gestiegen, weil sich potenzielle Brandstifter mit den CDS eingedeckt haben und jetzt aus allen Rohren gegen Griechenland schießen?
Nur die Kreditbesitzer sollten sich gegen Ausfallrisiken versichern dürfen
Da es keine Statistiken über die Besitzer der CDS gibt, lässt sich die Frage nicht klären. Einige Insider sagen aber, dass sich mehrere Hedge-Fonds eingedeckt haben. Das würde auch erklären, warum das Thema immer wieder aufgewärmt wird.
Die Kreditausfallversicherungen sind sinnvoll, wenn Risiken abgesichert werden sollen. CDS sind aber kein „Zocker-Instrument“. Die Verlockung wäre zu groß, eine Krise künstlich anzufachen, um dann kräftig zu kassieren. Daher sollten nur die Investoren die Kreditversicherungen erwerben dürfen, die auch tatsächlich die Anleihen besitzen. Bei der Feuerversicherung geht das auch: Da darf auch kein fremder Investor mein Haus gegen Feuerschäden „versichern“. 

 
 
 

Marc Faber: Immobilienpreise in Asien werden weiter steigen

Der europäische Aktienmarkt konnte sich heute wieder stabilisieren. Der DAX hat die Marke von 5.600 Punkten zurückerobert. Die DAX-Mitglieder Henkel, BMW und Infineon veröffentlichten positive Zahlen und wurden jeweils mit...


Der europäische Aktienmarkt konnte sich heute wieder stabilisieren. Der DAX hat die Marke von 5.600 Punkten zurückerobert. Die DAX-Mitglieder Henkel, BMW und Infineon veröffentlichten positive Zahlen und wurden jeweils mit Kursgewinnen belohnt. Die Serie der guten Unternehmensnachrichten setzt sich also fort.

Weniger positiv entwickelt sich dagegen der US-Aktienmarkt. Dow Jones und S&P liegen nur knapp im Plus, die Werte im Technologie-Index Nasdaq sogar leicht im Minus.

US-Wirtschaft könnte sich 2009 besser als erwartet entwickelt haben

Die Nachrichtenlage hätte ein ganz anderes Bild erwarten lassen: Nach ersten Auswertungen ist die US-Wirtschaft im 4. Quartal 2009 unerwartet stark gewachsen. Die Wachstumsrate von 5,7% überrascht. Sollte diese erste Auswertung stimmen (in der Vergangenheit gab es regelmäßig nachträglich starke Abweichungen), ist die US-Wirtschaft im Jahr 2009 „nur“ um 2,4% geschrumpft.

Das würde wiederum bedeuten: Die Lage war viel besser als die Stimmung. Die US-Unternehmen, die einen größeren Absturz eingeplant hatten, könnten daher viel mehr Mitarbeiter als notwendig entlassen haben. Wenn sich jetzt das konjunkturelle Bild aufhellt, wäre eine schnellere und größere Wende am Arbeitsmarkt möglich.

Ben Bernanke bleibt US-Notenbankchef

Ein zweiter an sich positiver Punkt: Der US-Notenbankchef Ben Bernanke hat die erste Abstimmungshürde genommen und kann jetzt fast sicher eine 2. Amtszeit einplanen. Die Meinungen über Bernanke sind gespalten, aber der Markt hasst Unsicherheiten. Ein Machtvakuum bei der wichtigsten Notenbank der Welt hätte die Märkte weiter verunsichert.

Das Thema sollte sich jetzt erledigt haben. Der Name Ben Bernanke (und auch der Name seines Vorgängers Alan Greenspan) tauchte in der gestern hier im Schlussgong bereits erwähnten Rede von Marc Faber auf dem „Fondskongress 2010“ immer wieder auf. Für Faber sind Bernanke und Greenspan die Auslöser der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Notenbanker als Hauptschuldige der Krise

Die aus Fabers Sicht viel zu lockere Geldpolitik hat gigantische Schäden angerichtet. Das ungezügelte Kreditwachstum, die Verschuldungsorgie, der überhitzte Immobilienmarkt – all das geht auf das Konto der US-Notenbankchefs. Immer wieder sei die panische Angst vor Deflation der Auslöser einer viel zu lockeren Geldpolitik gewesen.

So sei in den USA der Eindruck entstanden, Inflation sei gut, Deflation schlecht. Als „Totschlagargument“ wird dann die Deflationskrise in Japan genannt.

Deflationsängste übertrieben, Inflation wird verharmlost

Laut Faber - und das ist auch meine Meinung - ist die Inflation das größere Übel. Eine Deflation kann auch eine reinigende Wirkung haben und gewisse Übertreibungen beseitigen. Eine Deflation muss nicht einmal ein Krisenszenario sein. Als Beispiel nannte Faber die Entwicklung in den USA von 1800 bis 1900. Das gesamte Jahrhundert war eine Deflationsperiode.

Aber dennoch wuchs die US-Wirtschaft. Der technische Fortschritt verbilligte die Waren und Dienstleistungen. Die Deflation bremste das Wachstum nicht (anders als in Japan). Die Frage ist aber, ob die Notenbanken jetzt überhaupt noch eine Wahlmöglichkeit haben.

Die Verschuldungsstatistiken, die Faber genannt hat, habe ich gestern bereits im Schlussgong zitiert: Die amerikanische Gesamtverschuldung liegt inklusive der Sozial- und Gesundheitskosten bei rund 600% des Bruttoinlandsprodukts. Das ist ein enormer Belastungsfaktor.

Faber setzt auf Asien

Marc Faber setzt daher auf die Karte Asien. Abgesehen von Japan ist das Thema Verschuldung in Asien noch kein großes Problem. Das Wirtschaftswachstum wird noch Jahrzehnte andauern. Ein besonders spannender Trend: Immer mehr Menschen werden in die Städte ziehen.

Daher werden fast zwangsläufig die Immobilienpreise weiter steigen. Kurzfristig kann es auf den asiatischen Immobilienmärkten Überhitzungen geben, aber der langfristige Trend wird sehr positiv sein. Die Abwanderung in die Städte bedeutet auch: Es werden mehr Nahrungsmittel gebraucht.

Da es für Investoren sehr schwierig ist, langfristig auf Agrarrohstoffe zu setzen, empfiehlt Faber Beteiligungen an Ackerland oder Unternehmen, die Ackerland besitzen.

Favoriten: Immobilien, Ackerland, Gold und Silber

Fazit: Marc Faber empfiehlt den Einstieg in Immobilien, Ackerland, Gold und Silber (also Sachwerte). Meiden sollten Anleger dagegen Staatsanleihen mit langen Laufzeiten. Seine Einschätzung des US-Aktienmarktes: Die Kurse werden zuerst 10 bis 20% unter das alte Jahreshoch fallen.

Dann sollten Anleger Qualitätsaktien günstig einsammeln. Am Jahresende könnte das Vorjahresniveau um 5 bis 10% übertroffen werden.

Rolf Morrien
Chefredakteur "Morrien's Schlussgong"

 
 
 

Griechenland-Krise: Chance und Risiko für deutsche Wirtschaft

Nach dem Kursgewitter in der Vorwoche waren die Aktienmärkte heute zunächst stramm auf Erholungskurs. Schwache Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt haben den Bullen aber den Mut genommen.An der Wall Street sorgten die...


Nach dem Kursgewitter in der Vorwoche waren die Aktienmärkte heute zunächst stramm auf Erholungskurs. Schwache Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt haben den Bullen aber den Mut genommen.
An der Wall Street sorgten die schlechten Zahlen aber nur kurzfristig für Bauchschmerzen. Nach einer Schrecksekunde tendieren Dow Jones und S&P 500 wieder leicht nach oben.
Politische Börsen beeinflussen den Markt nur kurz
Wie bereits im Schlussgong geschrieben: Ich betrachte dieses Kursgewitter als Nachkauf-Chance, nicht als Ausstiegsszenario. Einige Investoren nehmen nach der 50- bis 70%-Rally Gewinne mit. Auslöser für die Gewinnmitnahmen waren politische Nachrichten:
Der neue „Kreuzzug“ des US-Präsidenten gegen die Banken (in der Sache richtig, aber leider taktisch nach der Wahlniederlage der falsche Zeitpunkt) und der von der chinesischen Regierung angekündigte Kampf gegen die Kredit-Blase sorgten an den Aktienmärkten für Ernüchterung.
In der Vergangenheit hat sich aber fast immer gezeigt: Politische Börsen haben kurze Beine. Nach 1 oder 2 Wochen ist der Spuk vorbei und das Tagesgeschäft regiert wieder. Und mit den bisher veröffentlichten Quartalszahlen können wir unter dem Strich zufrieden sein.
Griechischer Schuldenberg belastet EU
Ein anderes Argument für die aktuelle Kursschwäche, das in einigen Medien veröffentlicht wurde, überzeugt dagegen nicht. Es geht um die Griechenland-Krise. Der riesige Schuldenberg, je nach Berechnung 250 bis 300 Mrd. Euro, zieht die Euro-Wirtschaft und die Gemeinschaftswährung nach unten.
In der Tat hat der Euro gegenüber der US-Währung in den vergangenen Wochen deutlich verloren. Zu Jahresbeginn mussten Investoren für 1 Euro noch mehr als 1,50 USD bezahlen – aktuell reichen gut 1,41 USD. Das zeigt die „Euro-Schwäche“.

Große Gefahr, aber auch ungewollte Export-Hilfe

Allerdings muss man die Situation etwas differenzierter betrachten: Sollte Griechenland einen Staatsbankrott erleiden, würde die EU - trotz aller gegenteiligen Aussagen - natürlich eingreifen und Griechenland stützen. Die stärkste Volkswirtschaft im Euro-Raum, also Deutschland, müsste dann auch die größte Belastung verkraften. Das ist das Horror-Szenario für die Wirtschaft und die Börse.
Wenn sich aber Griechenland - wie so oft - „durchschummelt“ und die Lage durch statistische Tricks für ein paar Jahre beruhigt, müsste Deutschland finanziell nicht bluten. Als Export-Nation profitiert die deutsche Wirtschaft von der Euro-Schwäche. Internationale Kunden können deutsche Waren und Dienstleistungen plötzlich mit einem „Rabatt“ einkaufen.

Export-Unternehmen profitieren sogar von Euro-Schwäche

Überspitzt formuliert: Wir müssen den Griechen fast dankbar sein. Bei 1,50 USD je Euro fängt langsam die Schmerzgrenze an. Bei 1,60 oder 1,70 USD je Euro wird unser Export-Motor gewaltig stottern.
Sollte sich der Euro jedoch bei 1,30 bis 1,40 USD je Euro einpendeln, werden im Laufe des Jahres einige Export-Unternehmen positiv überraschen. Dann kann man sich auch die nach unten geprügelten exportlastigen Maschinenbau-Aktien wieder etwas genauer anschauen.

Rolf Morrien
Chefredakteur "Morrien's Schlussgong"

 
 
 

1 Jahr nach dem Selbstmord von Adolf Merckle: Die Finanzkrise hat ein menschliches Gesicht bekommen

Die Aktienmärkte konnten heute den Aufwärtstrend nicht fortsetzen. Die Kursabschläge fallen jedoch moderat aus. Der DAX verteidigte die Marke von 6.000 Punkten erfolgreich.Wenn Sie ein Jahr zurückdenken, sind ruhige Börsentage...


Die Aktienmärkte konnten heute den Aufwärtstrend nicht fortsetzen. Die Kursabschläge fallen jedoch moderat aus. Der DAX verteidigte die Marke von 6.000 Punkten erfolgreich.
Wenn Sie ein Jahr zurückdenken, sind ruhige Börsentage wie heute fast schon eine Wohltat. In den ersten Wochen und Monaten des Jahres 2009 befanden sich die Aktienmärkte im freien Fall. Wir mussten lernen, dass auch ein Börsenschwergewicht wie BASF an einem einzigen Handelstag 10% und mehr verlieren kann.
Wir mussten uns auch an ganz neue Zahlen gewöhnen. Der US-Versicherungskonzern AIG beichtete einen Jahresverlust von fast genau 100 Mrd. USD. Und die Zahlen werden immer größer. Die Staaten im Euro-Raum werden 2010 neue Anleihen im Wert von knapp 1.000 Mrd. Euro am Markt platzieren. Das sind Größenordnungen, die die menschliche Vorstellungskraft übersteigen.
Ein Selbstmord zeigt die menschliche Seite der Krise
Heute vor genau 12 Monaten hat die Finanz- und Wirtschaftskrise aber auch ein menschliches Gesicht erhalten. Am 5. Januar 2009 nahm sich der Unternehmer Adolf Merckle das Leben. Der Ex-Milliardär, der über Jahre stets ganz oben in den Ranglisten der reichsten Deutschen auftauchte, hatte sich verzockt. Der „Macher“ war nur noch ein Spielball der Banken. Diese Ohnmacht muss für den Unternehmer aus Leidenschaft die größte Strafe gewesen sein. In dieser Krisensituation sah Merckle nur noch einen Ausweg, den Selbstmord.
Man könnte es sich leicht machen und die These aufstellen, dass die bösen Banker mal wieder Schuld waren: Erst haben Sie Merckle ermuntert, hohe Kredite aufzunehmen, als es aber eng wurde, zogen sie das Rettungstuch weg. Sicherlich ist es auch so, dass einige Banken eine sehr aktive Rolle in diesem Drama gespielt haben.
Merckle wurde nicht gezwungen, sich zu verschulden
Aber bei einem Kredit gibt es immer 2 Seiten: Den Kreditgeber und den Kreditnehmer. Niemand hat Merckle gezwungen, gewaltige Milliardenkredite aufzunehmen. Seine Hauptbeteiligung, der Baustoffriese HeidelbergCement, hat 2007 einen großen Konkurrenten gekauft und sich eine Schuldenlast von rund 11 Mrd. Euro aufgehalst. Die Schulden waren so hoch wie der gesamte Jahresumsatz.
Im Boomjahr 2007 wurden viele verrückte Sachen gemacht, aber ein alter Hase wie Merckle, der seit Jahrzehnten im Geschäft ist, hätte nicht alles auf die Karte Aufschwung setzen dürfen. Als der Boom über Nacht einbrach, stand HeidelbergCement vor dem Aus (und damit viele Tausend Arbeitnehmer) und auch Merckle versank im Schuldensumpf. Seine Beteiligungsgesellschaft VEM Holding war mit rund 5 Mrd. Euro verschuldet.
In der Krise gelten andere Regeln

Natürlich gab es mit den Beteiligungen HeidelbergCement, Ratiopharm, Phoenix und Kässbohrer werthaltige Sicherheiten, aber der Börsen-Crash 2000 bis 2003 hatte nur wenige Jahre vorher gezeigt, dass solche Beteiligungen auch über einen längeren Zeitraum fast nicht zu verkaufen sind (oder nur zu extrem niedrigen Preisen). Ein Investor und Unternehmer, der so lange im Geschäft ist, hätte kaufmännisch vorsichtiger agieren müssen.
Aber dieser Fall zeigt das Grundproblem der Krise: Es fehlte die „Bodenhaftung“. Natürlich kann ein Unternehmer einen Kredit aufnehmen. Oft muss er das sogar. Die Relationen müssen aber passen. 11 Mrd. Euro waren für einen MDax-Wert wie HeidelbergCement zu viel und 5 Mrd. Euro waren für Merckles Beteiligungsholding zu viel. Es muss immer einen Plan B für Notfälle geben. Einen solchen Plan hatte Merckle offensichtlich nicht.
Auch erfahrene Profis werden übermütig
Wie kann dieser Leichtsinn erklärt werden? Vielleicht wollte der Milliardär Adolf Merckle am Ende der beruflichen Laufbahn auch einmal im Rampenlicht stehen. Es war sicherlich ein Traum von Merckle, dass sein „Baby“ HeidelbergCement nach der Übernahme als Weltmarktführer in den deutschen Leitindex DAX aufsteigt.
Es ist schon auffällig: In der Crash-Phase 2000 bis 2003 sind die Träume der „IT-Wunderkinder“ geplatzt. In der Krise 2007 bis 2009 hat es dagegen viele „alte Hasen“ erwischt. Das Merckle-Imperium musste schwer leiden, der Familienkonzern Schaeffler hat sich mit der prestigeträchtigen Übernahme des DAX-Wertes Continental finanziell total verhoben und das traditionsreiche Bankhaus Sal. Oppenheim musste in die Arme der Deutschen Bank flüchten.
Fuchs Petrolub: Erfolgreiches Gegenmodell

Wie erfrischend ist es angesichts der vielen Negativbeispiele, wenn ein Unternehmen wie Fuchs Petrolub, das von der Familie Fuchs geführt wird, in der Krise die Eigenkapital-Quote auf Rekordwerte erhöht und nicht mehr weit davon entfernt ist, die Nettoverschuldung auf Null zu senken.
Das „Erfolgsgeheimnis“: Fuchs Petrolub hatte vor gut 10 Jahren massive Probleme mit den hohen Schulden. Die Unternehmensführung hat aber offensichtlich daraus gelernt und ist in der Boomphase bis 2007 nicht wieder in die Schuldenfalle getappt. Das ist auch der Grund, warum die Aktie von Fuchs Petrolub seit Jahren einen Stammplatz auf der Empfehlungsliste des Depot-Optimierers hat.

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